Donnerstag, 12. April 2007

Zugfahren ist nicht einfach

oder: "Ein ganz normaler Morgen"

Da fahre ich auch heute Morgen mal wieder mit der Bahn in Richtung meiner Arbeitsstätte. Es scheint, dass der heutige Tag nicht meiner zu sein scheint: Erst gibt der Busfahrer schön genüsslich in dem Moment Gas, in dem ich das Quader auf Rädern erreiche und auch später bei der Abteilwahl im Zug hatte ich Pech und lasse mich auf den Sitz fallen, neben dem der Stadt bekannte Säufer wenige Sekunden Platz nimmt.

Er hat sein Leben zu einer Zeit versaut in der es keine Flatrate-Partys gab und die, die heute gegen Alkohol und Dinge aller Art wettern, selbst noch Konsumenten diverser Drogen – ob legal oder illegal, sei mal dahingestellt – waren.

Während ich mich auf das was jetzt kommen mag vorbereite, sehe ich noch ein paar Mal Knut, wie er mich von diversen Zeitungen anschaut und dann ist es soweit: Das Guten-Morgen-Bier wird ausgepackt und angesetzt. Nicht von mir, sondern einen Sitz weiter, dennoch aber freue ich mich schon jetzt auf das Gesinge und Gegröle, das alltäglich nicht lange auf sich warten lässt.

Ein Szenario, dass glaubt man denen, die vor ein paar Wochen noch gegen Killerspiele gepredigt haben und jetzt dem nächsten Ding einen Riegel vorschieben möchten, es eigentlich gar nicht geben kann. Wie kann jemand mittleren Alters nur Saufen. So was machen doch nur die Jugendlichen auf ihren Flatrate-Partys und die gehören verboten. So kann man eh am besten sich gegen Sachen einsetzten: Einfach verbieten! Das ist Deutschland.

Aber zurück in den Zug. Wie ich schon erwähnte war heute wahrlich nicht mein Glückstag. Plötzlich stieg Qualm über den Sitzen auf. Was erst mal als Feuer das halbe Abteil zur Unruhe gebracht hatte, stellte sich wenig später als Zigarette heraus. Da dieser aber über ein Person aufstieg, die im Nichtraucherabteil und nicht eine Reihe weiter hinten, in dem durch eine 90 cm – Hohe Glaswand abgetrenntem Raucherabteil, saß, fing plötzlich der ganze Zug an zu johlen und meckern.

Man, man, man: Manchmal wünsche ich mir doch eine „Raucherarmbinde“ (http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=120105235713) mit der sich jeder Raucher kenntlich machen muss, denn dann wissen wir Menschen sofort wer die Buhmänner und –frauen unser Nation sind.

Samstag, 7. April 2007

Debbie Rockt – Himmel Herr Gott, wer hat die den losgelassen?

H&M meets Punk
(Beitrag als Audio anhören? Dann runterscrollen!)

Eigentlich könnte ich statt diesem Beitrag, einfach nur den Pressetext, der zu dieser zukünftigen Geschmacksverirrung der 11 und 12 Jährigen Mädels veröffentlicht worden ist, hier reinkopieren und wir würden aus dem Schmunzeln nicht mehr rauskommen, aber ganz so einfach mache ich es mir dann doch nicht.

Aber mal von ganz von vorne: Heute wollte ich eigentlich nur mir einen gemütlichen Tag machen und mal das tun was die anderen Leute auch immer so machen, wenn sie mal nicht zur Arbeit müssen bzw. von dieser noch nie etwas gehört haben: Sinnlos mit einer Bierflasche in der Hand, lässig auf der Couch liegend ein bisschen RTL 2 und 9live schauen! Aber schon in dem Moment, in dem ich das erste Mal an der Flasche nippte und gleichzeitig den Fernseher einschaltete, kam mir die Flüssigkeit sofort den Weg hoch, den sie schon eben entgegengesetzt schon einmal genommen hatte und verschönerte den Teppich, den ich noch in der Woche vorher in dem Zimmer ausgelegt habe. Shit happes, aber was war passiert?

Ich habe Fie, Tan, Denise, Kathi und Rosa gesehen und wer bei diesen Namen an nichts Schlimmes denkt, der kann froh sein, denn dann hat ihn die neue, „authentische, konsequenete nach vorne, progressive, unique, einzigartige“ Band – um mal den erwähnten Pressetext einzubinden – noch nicht erreicht und seit froh, wenn dies der Fall ist.

Debbie Rockt nennt sich die Band, die die ach so geilen, neuen Punks werden sollen, aber mit diesen Menschen etwa genauso viel zu tun haben, wie die Super Nanny mit Familienpädagogik.

Die Band möchte Punk-Musik machen, klingt aber genauso wie Tokio Hotel, wie mir der in Ausschnitten von Gülcan gezeigte Videoclip näher führte und anschließende Webseitenbesuch untermauerte. In den Songs lernen sich Worten als Reime kennen, die ansonsten noch nicht mal ansatzweise in Reimzeilen als eben solche auftauchen. Singen kann die Frontfrau auch nicht, aber warum auch: Ist ja Punk!

Wobei möchten die überhaupt Punk-Musik (versuchen) zu machen, oder ist es bei denen genauso, wie bei den in dem Blog erwähnten Brücken-Jungs, die bald sich mit den Debbies unter der selbigen verkriechen werden? Ich bezweifle es.

Ich vermute eher, dass ihr Plattenboss gegenüber seinem Fenster seines Büros einen H&M hat und an einem Tag im letzten Herbst, kamen dort gerade diese 5 Mädels heraus mit der Bravo in der linken, ihrer Handtasche in der Rechten und in den aktuellen Trends in Form von Punk-Fakes gekleidet und da die Mädels schon dieses Mal vor der Bravo wissen wollten, wer der nächste Superstar wird, klebten sie ihre Nasen an das Fenster und sahen drinnen außer ihrem zukünftigen Ausbeuter niemanden. Da dieser aber unbedingt jemand neuen brauchte, der zu blöd für das Musikbiz ist und jeder noch so schlechten Vertrag unterschreibt, kamen ihm die 5 Fakes recht und er schusterte aus ihnen die nächsten „Sogar für ein Onehitwonder sind wir zu doof“-Band.

Da noch ein Name gefunden werden musste, gingen die 6 anschließend auf die Straße und wie sie ihn dann dort angeblich fanden, steht dann 1:1 im Pressetext: „Der Name entstand nach einem Stadtbummel der Band, während dem sie auf ein kleines Mädchen trafen, die Gitarre spielend und singend am Wegesrand saß. Neben ihr ein noch kleineres Mädel mit einem Schild um den Hals, auf dem geschrieben stand „Debbie sagt danke“. Es stellte sich heraus, dass sie die kleine Schwester der mit Gitarre und lautem Gesang Performenden war, die versuchte die Beiden nach einem „Reißaus“ über die Runden zu bekommen. Die Band war sofort angetan von der Geschichte und außerdem der Meinung, dass Debbie ganz schön rockt!“

Himmel geht’s noch ihr Marketing-Fakes, die ihr morgen eh schon wieder vergessen seit? Ihr wollt doch jetzt nicht wahrlich das Ausreißen als cool und rockig darstellen. Dass Ihr zu blöd für Punkmusik seid, aber euch so nennt, ist in erster Linie mal euer Problem, aber darüber, dass ihr die Geschmacksverirrten, die warum auch immer euch toll finden, sagt, dass auf der Straße hocken, rocken ist. Himmel? Geht’s euch noch gut?

Anscheinend nicht, aber das ist halt das Musikbiz...

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Donnerstag, 5. April 2007

Die jungen Wilden unter Leuten - Teil 2

Und hier ist schon das zweite Foto aus unserer Serie.

Bild 2:

Montag, 2. April 2007

Nichts als die Wahrheit!

„Du wirst mal ein ganz Großer“
(Beitrag als Audio anhören? Dann runterscrollen!)

Heute will ich euch die Geschichte von einem Jungen erzählen, der eigentlich mit seinen 13 Jahren nur Musik machen möchte. Wobei möchte wohl dafür nicht der richtige Ausdruck ist: Seine Eltern sehen in ihren kleinen Jungen den nächsten Star, der die anderen Kinder ablösen wird, die auf den Bravos und YAMs dieser Welt abgelichtet werden.

Immer wieder regen sie sich auf, wenn er schon wieder bei diesem Posing für den Quelle-Kinderkatalog und bei jenem Auftritt in der Musikschule gepatzt hat. Dennoch ist er ihr einziges Kind und aus dem muss mal was werden, denn ihm soll es später mal besser gehen als ihnen, die es nur ins Sekretariat der Schule und zum Verkäufer im Media Markt um die Ecke geschafft haben.

Eingeschüchtert, einsam und unselbstständig kommt er daher und ganz tief in seinem Inneren will er sich endlich nur mal ausruhen, aber heute ist ja mal wieder das große Casting der Firma „Wir bringen dich raus, nur wie, das wissen wir selbst noch nicht, aber von der Teilnahmegebühr, die jeder der herkommt bezahlen muss, machen wir uns ein paar schöne Tage“.

Auch wenn er eigentlich ganz andere Pläne hat, erzählt er auch heute wieder die Story von wegen „Schon als kleiner Junge habe ich den Gartenschlauch als Mirko genommen und rein gesungen“, mit der er seine Eltern glücklich macht, und schmettert danach eine Runde „Noding Äls Mädders“, dass er daheim mit seinem Vater bis zum Er- und Niederbrechen in Lautschrift geübt hat, denn Englisch kann er noch nicht richtig, aber das ist ja auch egal, denn dann wirkt ja alles noch viel süßer und das wollen ja die Castingleiter.

Als ein paar Wochen später seine Eltern ihn nach der Schule wie den zukünftigen Weltstar empfangen, fragt er sie nur was los ist und ist eigentlich nicht wirklich darüber erfreut, dass beim letzten Casting eine Agentin von einer Plattenfirma da war und die meint, dass er unbedingt einen Song über ein Karnickel singen muss, dass in den letzten Wochen in allen Zeitungen stattfindet, weil es beinahe aus dem Streichelzoo ausgebüchst wäre, als der Wärter rein kam.

Komische Welt, aber Kinder und Tiere ziehen ja immer und das Fußballtraining auf das er eigentlich viel mehr Lust hätte, wird abgesagt und wenig später trällert er schon „Ha, Ha, Haaaasi, der super, super Haaasi Fritz, ja, ja, jaaah, der wär’ beinahe entwischt“. Seine Eltern freuen sich riesig, doch er kann nur über so was müde lächeln und findet eigentlich alles zum Kotzen.

Hasen sind doof, Eltern sind doof und jetzt auch noch die super Klingelton-Chartshow auf MTViva, in der er auftreten darf. Auf der Bühne reist er sich dann noch mal zusammen und haut ein nettes Playback raus und zeigt damit allen Eltern, die so ähnlich denken wie seine, dass auch ihre Kinder Stars werden könnten, wenn sie nur wollen, um dann hinter der Bühne später Bill zu treffen.

Bill erging es ähnlich und dieser ist mit seinen 17 Jahren eigentlich von der Welt genauso angekotzt wie er, nur bei Bill ist alles noch viel größer. Zwar hat dieser keine Hasen, die er besingen muss, dennoch aber ist er die Maschine seiner Bosse und hat keine eigenen Möglichkeiten mehr sich zu entfalten. Alle Mädels stehen auf ihn, bzw. viel mehr auf das Produkt was mit ihm vermarktet wird.

Bill selbst hat eigentlich mit seinem Marketing-Doppelgänger nichts mehr zu tun und hält sich nur noch durch Dinge am Leben, von denen zwar seine Bosse bescheit wissen, aber nicht dagegen sagen, solange es die Fans nicht mitbekommen und wenn dies der Fall wäre, wäre dies auch nicht die Welt, denn es gibt ja ihn, das Hasen-Kind mit dem man nach Bill den nächsten Star anzüchten kann.

Als Bill ihm später ein paar nicht so ganz legalen Drops anbietet, kann er nicht nein sagen und merkt, dass es mit denen eigentlich viel besser geht, denn dann kann er mal endlich wieder für ein paar Minuten wirklich er sein – zumindest glaubt er das.

Mal schauen was aus den beiden noch wird und mal sehen, wann sie abstürzen, wie ein jeder Kinderstar! Oder, Miss „Haare ab, Gehirn raus und rein in die Entzugsklinik“?

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Sonntag, 1. April 2007

Die jungen Wilden unter Leuten - Teil 1

Eine neue Fotoserie gibt es ab heute hier bei den jungen Wilden. Tobias und ich werden uns in nächster Zeit uns unter die Leute mischen, die wir so lieben und mit ihnen Fotos machen.

Bild 1:

Mittwoch, 28. März 2007

„Das sind nicht 20 Zentimeter“

Knallhart hinter die Kulissen geblickt
(Beitrag als Audio anhören? Dann runterscrollen!)

„Was solls denn sein?“, fragte mich die Frau, deren Aussehen sich mit dem Slogan von Ritter Sport erstaunlich gut deckt und schaute mich mit einem offenem Mund, der von einer Geschmacksverirrung von pinken Lippen umrandet wurde, an. Auch wenn es mich reizte, konnte ich gerade noch den Satz „200 Gramm von der Salami, bitte!“ unterdrücken und kam mit der Wahrheit: „Oben 1,5 Zentimeter ab, an den Seiten mit der Maschine. Das ganze bitte so, dass es geltauglich ist.“ Sie nickte und fing an mit einer Sanftheit die Haare zu schneiden, die sonst nur die Rinder vor ihrer Abschlachtung erfahren – womit wir wieder in der Metzgerei wären.

Ihr merkt schon, heute war es mal wieder an der Zeit frisiert zu werden und bei diesem 10-Euro-„Wir sind zwar hässlicher, dafür aber auch billiger als der Rasier zu Hause und deswegen komm rein“-Angebot, konnte ich einfach nicht widerstehen. Während ich durch den Spiegel den alten Mann beobachte, der sich lauthals über die Uzz-Uzz-Klänge in diesem Trend-„Wir spielen die Musik von der Platte „Best of 1993“, äh pardon, DEINE Musik“-Friseur aufregte, summte erst das Maschinchen herum und wurde dann von der Schere abgelöst.

Nachdem ich mehrfach meiner Haarkürzerin, die scheinbar die Zahl als IQ hat, der auch als PH-Wert auf ihren Cremetübchen steht, versucht habe zu erklären, dass 1,5 eben nicht 0,8 Zentimeter sind, erbarmte sie sich irgendwann widerwillig noch mal die Schere zu schwingen und das abzuschneiden, was abgeschnitten gehörte. Daraufhin kamen wir etwas ins Gespräch und diesmal wollte ich endlich die Fragen aller Fragen in Sachen Friseur klären, die dem einen oder andern männlichen User dieses Blogs bestimmt auch auf den Nägeln bzw. in den Haarwurzeln brennt: „Warum schneidet ihr immer weniger ab, als ich will.“

Die Antwort war verblüffend, aber logisch und es schien, dass es Frau „Die 90er waren so toll und deswegen trage ich heute noch die trendy 12cm-Buffelos“ gut tat, auszupacken und endlich mal jemanden zu erzählen, wie es im Haar-Milieu wirklich zu geht. Bevor sie aber auf den Punkt kam, erzählte sie mir von der regelrechten Ausnutzung der Friseuse, wöchentlich mehr als 60 Stunden Arbeit und davon, dass sie einen gewissen Prozentsatz ihres Sparschweingewinnes, den sie an ihre Chefin abführen musste. Sie war gar nicht mehr zu bremsen.

Ich fühlte mich Domian nachts um halb zwei und ging der Sache mit den zu langen Haaren auf den Grund: „Eigentlich ist es ganz einfach“, erklärte sie, „Ein Friseur hält sich in den heutigen Tagen nur dann, wenn er die männlichen Kunden verarscht. Ein Haar wächst pro Monat einen guten Zentimeter. Früher wurde ordentlich abgeschnitten, ganz nach dem Motto „Darfs ein bisschen mehr sein“. Heute ist dies anders. Bei dem Kampf um jeden Millimeter wird möglichst wenig abgeschnitten, so dass der Besucher des Establishment schnell wiederkommt und wieder einen 10er hinlegt. So einfach ist das.“ Ja, so einfach ist das, wobei unverschämt ist es doch schon, oder?

Achso: Über den EINEN Euro für ein Tröpfchen Gel, wollte ich die aufgelöste Frau, dann aber nicht mehr ausfragen. Was macht man nicht alles um gut auszusehen...

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Sonntag, 25. März 2007

Wie man in den Berg hineinruft, so schallt es heraus

Die Preisverleihung im Detail

Nachdem ich letztes Jahr in einer Nacht- und Nebelaktion ohne Karte, mit ein bisschen Geld und sonst nichts in der Nacht vor den Echos aus Mainz nach Berlin aufgebrochen bin, wurde ich in der Landeshauptstadt mit einer wirklich wunderbaren Show belohnt, deren Ticket ich mir kurz vorher für den 3-fachen Preis vom „Wudd du Tigget kaufen, ich hab für meine ganze Famili gekauf, aba die is krank“-Männlein, welcher höchstwahrscheinlich aus der Türkei kommt und ganz sicher nicht legal an die Eintrittskarten gekommen ist, geholt habe.

Ich sah wirklich geniale Performances und hatte mit den Fans von „Sorry, meine Haare sind explodiert und Ledermäntel sind doch geil, aber das trägt man jetzt so“-Tokio Hotel und ein paar mir Gleichgesinnten viel Spaß bei einer echt genialen Show, die von vorne bis hinten gut durchgeplant war.

Dieses Jahr war ich nicht in der Stimmung für eine flotte Berlin-Nummer und entschied mich lieber stattdessen den Fernseher heute einfach mal anzuschalten. Was ich zu sehen bekam, machte mich richtig froh über meine Entscheidung daheim geblieben zu sein, denn die Show war eher ein Blick in die Zukunft und zwar der wie „Das Sommerfest der Volksmusik“ im Jahre 2047 aussehen wird.

Ein paar Längstvergessene gaben gesanglich extrem schlechte Auftritte von sich und ließen dazu eine runde ihren „Ich hab’n Arsch, der platzt wenn du reinstichst“-Hintern wackeln. Dazwischen hyperventilierte eine zum Frosch – Man, so viel hässliches Grün habe ich schon ewig nicht mehr gesehen! - verwandelte Fee herum und als man dies hinter sich gebracht und den 10. Witz gehört hatte, der deswegen nicht zündete, weil Tantchen „Singen kann ich, aber zum Sprechen hat es bei mir noch nicht gereicht, weil die Ärzte, bei denen ich mich gleich mal im ersten Satz der Show bedankt habe, das noch nicht repariert haben“-Yvonnchen mal wieder die Pointe zu früh erzählte oder wahlweise auch ganz vergessen hatte, wurde dann eine wirklich herausragend gute Rede von Bono von U2 mit einem Rap von Bushido gekrönt, der anschließend wiederum von der Kategorie „Rock Alternativ“ abgelöst wurde. Klingt zwar auf den ersten Blick wie das, was man beim Durchblättern der Bravo erlebt, aber passen tut es dennoch für die Ohren der Mehrheit – und da klammere ich mal die „Ich bin ’ne bitchy“-Punk-HipHop-Chuck-Trägerinnen einfach mal aus – nicht gut.

Etwas strange war also die ganze Veranstaltung schon. Zwischen weiteren Moderationspatzern von Oliver Silbereisen, äh pardon, Geißen und einigen Preisträgern, die wegen anscheinend schlechter Planung im Vorhinein über Kabel stolperten und durchs Bild fielen, watschelten noch ein paar weniger bekannte Laudatoren auf der Bühne herum und übten sich im Witze reißen.

Achso, was ich noch sagen wollte: Wenn du 2 Jungs, die nicht älter sind als die Mädels, die unten an der Bühne stehen und anscheinend noch nie etwas anmoderiert haben, einfach mal so ohne Hintergrund und Erklärung die Botschaft „Alkohol ist doof“ verbreiten lässt, dann ist doch klar, dass das ganze eine Lachnummer wird, oder?

Ich mach mir jetzt ein Bierchen auf und leg mich dann bald in mein Bett.

Samstag, 24. März 2007

Früher hätte es das nicht gegeben

Mal eine Runde Einkaufen
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Ein bisschen Milch, eine Packung Salami und etwas Süßes. Mein Einkaufszettel ist fertig, ich verlasse das Haus und schwinge mich auf mein Rad und fahre so schnell es geht durch die traurig, graue Landschaft auf die Schnee, Regen und Schneeregen in allen möglichen Varianten einprasselt. Jetzt Ende März ist das zwar etwas verspätet, aber wie lautet doch eine Sprichwort: Lieber spät, als nie.

Aber auch wenn ich jetzt wie Oma Grete klinge, muss ich es einfach sagen: Früher gab es doch im Winter den Winter und im Frühling den Frühling und das ganze wurde von Gott und seinem Helferlein Ozoni-Löchilein, das immer größer und bekannter wird, nicht irgendwie beliebig kombiniert, aber egal. Die Zeiten ändern sich und das ist ja auch gut so, denn wir würden uns ja heute auch alle bedanken, wenn die Welt immer noch schwarz/weiß wäre, wie man ja auf den alten Fotos sieht! War doch so, oder?

Ich fuhr also in Richtung „Wir sind jetzt alle ein Laden und zwar einer mit einem Logo für das unser 1-Euro-Jobber, sogar noch seinen Lohn gekürzt bekommen hat, weil es so langweilig war“-Shop. Dort angekommen traf ich erst mal beim Einkaufswagen-Holen eben erwähnte Oma Grete und ihre alte Schulfreundin Britta. Dem Gespräch, oder viel mehr die fast wortlosen Kommunikation "Ah!", "Na?", "Und?", "Ja ja, Einkaufen.", "Hmm.", "Ja, was soll man machen. Zu Hause braucht man ja was!", "Hmm.", "Hmmm…", merkte man förmlich an, dass die beiden schon alles gesagt haben und nur noch für Jörg, Günter und Oliver leben und damit sind ihre vor 10 Jahren verstorbenen Ehemänner bestimmt nicht gemeint.

Im Laden angekommen, hatte ich dann mein Gefühl, dass ich sonst nur in den Bussen und Bahnen dieser Welt habe: Überall sind Gesprächsfetzen zu hören, die zusammengefasst ein Abbild der heutigen Gesellschaft ergeben.

Denn „Ich bin ein Proll, hol mich hier raus“-Daddy Phillip, der perfekt in die Talkshow „Früher war ich ein Asso, heute bin ich ein Nazi“ passen würde, war auch da und sprach mit seiner kleinen Prinzessin Sandy, deren Vater er bestimmt nicht ist, sondern Freundin Mandy mit in die – hmm, nennen wir es mal - Beziehung gebracht hatte. Als sie etwas im Regel anfasst, schrie er in ihre Richtung: "Ey, bloß nimm deine Wichsgriffel da weg!", "Wieso?", "Weil, wenn du noch mal da reinfasst, klatsch ich dich an die Wand!“.

Ich kaufte also meine paar Sachen ein und an der Kasse angekommen, erlebte ich das nächste Gespräch zwischen einem Studentenpaar: "Wieso hast Du denn Maultaschen eingepackt?", "Die magst Du doch so gerne.", "Nee, die schmecken mir überhaupt nicht!", „Doch, die isst du!"! Dann mal guten Hunger von dieser Stelle!

Nachdem Oma Grete alles dann auch auf den Cent passend hatte und sich so darüber freute, dass sie nach Jahren mal wieder von allen für 5 Minuten angeschaut wurde, verließ sie den Laden und ich bezahlte meine 4,54€ und dachte darüber nach, warum wir Deutschen alles wirklich so genau haben müssen. In anderen Ländern fällt doch auch die letzte Kommastelle der Einfachheit weg. Cent-Fuchser halt!

Wieder aus dem Laden raus, beim Heimfahren wurde ich noch – nachdenklich und in Gedanken versunken wie ich war - von einem singenden Rollstuhlfahrer, der "Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen...“ zum Besten gab, überholt, um dann daheim festzustellen, dass ich eigentlich doch wieder alles Wichtige vergessen hatte.

Warum ist die Welt doch nur so ungerecht? Früher war DOCH alles besser.

(Von dieser Stelle ein Dank an die Webseite belauscht.de, die mich für diesen Beitrag inspiriert hat.)

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Donnerstag, 22. März 2007

Hippe, hoppe Reiter

... wenn er über die Hose fällt, dann schreit er
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Muss das sein? ... Ja, ich meine dich ... Ja, genau DICH! ... Schau doch bitte nicht die ganze Zeit auf meinen Bildschirm ... JA, DICH MEINE ICH!

So, der ist weg! Hat echt genervt. Ich sitz hier gemütlich mit meinem Laptop in meinem Lieblings-Starbucks und die ganze Zeit schaute mir dieser „Ich bin so pseudo, ich bin so toll, ich kann ganz laut Rapmusik hören“-Fake-Hopper schon über die Schulter. Als der wegstolperte in seiner lustigen „Mein Arsch braucht Frischluft“-Hose, musste ich so lachen, wegen dem T-Shirt, das er an hatte, denn das ging dem echt bis zu seinen Knien. Hallo? Was er dazu nur sagen wird, wenn Mama ihm das Teil nächste Woche als Schlafanzug rauslegen wird?

Ich habe ja eigentlich nichts gegen HipHop. Viel Musik, die ich höre, kommt aus diesem Musikgenre. HipHop kann auch gerne mal hart sein und eine alternative Meinung haben – ich hab ja auch eine -, aber HipHop sollte doch bitte nicht die Müllhalde der Worte sein, die Britt, Oliver und Vera täglich hören. Dennoch kommt das Gefühl auf, dass genau DAS HipHop ist. Von den Fake-Hoppern als Anti-Haltung gelebt und von den Medien mit den großen Buchstaben Oma-gerecht als Musik der Assis vermarktet, ist dies die Meinung der Mehrheit.

Das klingt fast so, als wären die Hopper die modernen Punks? War in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern – Ich klinge ja schon wie einer diese Ansagen von diesen Dudelradios – der Punk der Anti, der gegen alles und jeden war und einfach mal seinen Mittelfinger rausstreckt, ist heute der gemeine – liebe Fake-Hopper, falls ihr mitlest: Damit meine ich „normale“ und nicht „böse“ – HipHop-Konsument doch jemand, der sich gegen den Rest der Gesellschaft mit seiner kleinen Randgruppe verbündet hat.

Für mich ist klar: Auch ein Hopper kann ein netter Mensch sein. Da spricht echt nichts dagegen, aber meist scheitern Kommunikationen mit einer solchen Person daran, dass sie nur eine Meinung – nämlich gar keine – und keinen Bock auf Sachen außer kiffen und chillen haben.

Klar, ich kenne auch nette HipHopper, die sich fortbilden, was aus sich machen wollen und einfach dieses Lebensgefühl leben und lieben, aber wie bei den Punks, die entweder auf den Bahnhofsplätzen, in den Parks oder sonst wo in den Städten dieser Welt negativ auffallen, sind es halt immer die Deppen, die das Image prägen.

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Dienstag, 20. März 2007

Kassettenkinder

Rocky Beach ist irgendwo in Deutschland

So langsam könnte ich meinen Blog auch „Die lustigsten Bahnabenteuer der Welt“ nennen, in Anlehnung an die „Ach, war das nicht so lustig als Tante Erna vor 5 Wochen in den Mülleimer gefallen ist und wir das aufgenommen haben. Ha ha ha ha ha!“-90er Jahre-Trashshows auf RTL Nummero 2, dem 2. Kanal vieler verzweifelter Hausfrauen, der nach dem in der Zielgruppe dieses Blogs – ich hoff es mal für euch - allseits unbeliebten 9live-Spielwiese auf der Fernbedienung in den Haushalten zu finden ist, die wir allwöchentlich in „Frauentausch“ vorgesetzt bekommen. Aber wollen wir das? Meiner einer könnte auch ohne Muttchen Käthe, die mit Gothic-Punk-Schlampe Britney ausgetauscht wird, auskommen. Ein paar Milliönchen Andere aber nicht. Aber, wieso eigentlich nicht? Kümmert euch doch lieber erst mal um eure verwahrlosten Killerspielkinder, die schon sich und alles aufgegeben haben, denn wegen denen bekommen wir normalen Zocker sonst nur einen schlechten Ruf.

Aber ich schweife vom Thema ab. Also, zurück: Ich verbringe sehr viel Zeit meines Lebens in den öffentlichen Verkehrsmitteln dieses Landes und erlebe dort allerhand, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass in S-Bahnen, ICEs und Bussen alle möglichen unterschiedlichen Menschen aufeinander treffen. So begab es sich folgendes letzten Sonntag: Per ICE machte ich einen Abstecher in die bayrische Landeshauptstadt und genoss erst mal ein paar Stunden nette Musik, die sollte ich mich mal zu einem Amoklauf hinreißen lassen, bestimmt für ein paar Schlagzeilen wie „Er (18) hörte Punkmusik und wurde zum Massenmörder – Beckstein fordert: „Tötet die Punks!““ sorgen würde, aber egal. Nach zwei, drei Stunden und dem einen oder anderen unplanmäßigen Halt, kam dann in Würzburg eine Mutter mit ihren drei Kindern, die wohl so zwischen 7 und 10 waren, in mein Abteil. Eigentlich ein Grund zum Reißaus nehmen, aber ich hatte ja wie gesagt schon mehr als die Hälfte geschafft und eigentlich sahen die Kinder ja ganz nett aus und ich blieb.

Sie, Mitte 30, im Business-Outfit war eine moderne Frau, die Eva „Der Herd gehört den Frauen und die Männer gehen jagen“ Herman gar nicht gefallen würde, mir aber auch nicht, aber aus anderen Gründen: Denn sie telefonierte die ganze Zeit mit ihrem Cheffchen, der wohl es nicht hinbekam ein Worddokument auszudrucken. Nach dem das ganze Abteil Word von vorne bis hinten kannte und konnte, widmete sie sich kurz ihren Kindern und ich war verzückt und war schlagartig verliebt, denn es waren folgende Worte, die sie durch das Abteil rief : „Peter, Bob, setzt euch sofort hin. Und du, Justus, lass die Leute in Ruhe, die wollen ihre Schokolade selber essen!“ Nachdem sie diesen Satz gesagt hatte, passierten zwei Dinge: Erst mal musste fast das ganze Abteil grinsen und man spürte förmlich wie die Kindheitserinnerungen in uns allen hochkamen und nachdem diese verdaut waren, wählte ich erst mal auf meinem iPod eine „Die drei ???“-Folge aus meinen Archiv, dass ich immer dabei habe, damit ich was hören kann, wenn ich mal traurig sein sollte, denn mit den Jungs aus Rocky Beach wird man ganz schnell wieder munter, denn was gibt’s schöneres als ein Zurückerinnern an die Zeit in der man Abends um 8 Uhr kurz vor dem Schlafen gehen noch verbotenerweise eine Kassette gehört hatte.

Eigentlich wollte ich die Mutter drauf ansprechen, wieso sie ihre Kinder so entzückend genannt hat, aber man kann es sich ja eigentlich schon denken - Sie ist einfach wie doch heute so gut wie jeder 30-Jährige ein Kassettenkind und konnte es nie ablegen - und leider war sie 2 Minuten später schon wieder in einem Gespräch mit ihrem Handy bzw. wahrscheinlich viel mehr mit der Person, die dadurch herausquakte vertieft. Schade, aber da kannst du nichts machen!

Und ich sag es euch: Sollte ich mal Kinder bekommen: Justus, Peter und Bob werden sie heißen, wobei was mache ich, wenn es Mädels werden?

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Sonntag, 18. März 2007

Samstag, kurz nach 12

... und die Bahn steht

Da sitze ich gestern gemütlich in der Regionalbahn, die eigentlich schon seit 5 Minuten angefahren sein müsste. Gemütlich ist übertrieben, denn meine Beine sind zu lang für diese Sitze, die für Leute gemacht zu sein scheinen, die es vielleicht im Land der deutschen Wertarbeit – also, in China – gibt, aber hier wohl nicht existieren. Aber egal! Ich ziehe also meine Beine an und quetsche sie an die Lehne des Vordermanns. In dem Großraumabteil sind außer mir auch ein paar Leute, die wir alle nur zu gut kennen. Nicht persönlich, aber immer sind sie in der Bahn, wenn man es auch ist:

Neben, vor und hinter mir sind die Hooligans, die – man kann es nicht überhören und an den Bierflaschen übersehen – schon mal den Sieg ihrer Mannschaft in 6 Stunden vorfeiern und ein paar Songs der „Böhsen Onkelz“ dem restlichen bunt gemischtem Publikum auf ihre Art „vorführen“. Zwischen den Fußball-Hardcorlern sitzt ein Mädel in einem bauchfreien G-Star-„Alta, ich bin ein Pimp“-Shirt und Silber glitzernden Chucks – Hab ich was verpasst? Wer hat denen das glitzern beigebracht? Aber egal, auch sonst wäre es eine Geschmackverirrung! – und genießt aus den viel zu laut eingestellt Kopfhörern sexy US5-Musik, die zusammen mit den „Onkelz“ eine nette Erbrech-Mischung bildet. Ein Business-Mann ist auch im Abteil dabei und ist gerade auf dem Weg zur CEBIT, wie man ohne Weiteres aus seinem lauten Gespräch mit sich selbst – Oder, warte mal? Er hat ja einen dieser neuen trendy „Wer muss schon leise reden, wenn er in der Bahn ist? Ich schrei jetzt laut in mein angeklippstes Mikro rein!“-Stecker – also, an seinem Gespräch mit dem Kumpel in Hannover bemerkt.

Gerade wurden wir in gebrochenem Deutsch informiert, dass der Zugführer noch fehlt, dafür aber schon der 1-Euro-Bahn-Jobber da ist und seine Runde mit seinen Snacks macht. Aus Mitleid mit der alten Frau kaufe ich mir einen Kaffee und warte weiter.

Während ein Männlein etwas dicklich und nicht sehr vertrauenserweckend in Bahn-Uniform – wird wohl der Fehlende sein, der mal wieder zu lange im Bahnhofs-„MC Donalds“ gespeist hatte - an meinem Fenster vorbeieilt, schaue ich etwas gelangweilt aus dem selbigen.

Gleich geht’s los und dann ist endlich Wochenende, denke ich mir und erblicke eine kleine Gruppe von Menschen, die sich rund um den Raucherstand gegenüber versammelt haben. Im einzelnen sind es ein Mann Mitte 30 mit Bierflasche vor sich, Kippe in der Hand und daneben seine 2 Kinder – ein Junge und ein Mädchen - im Alter von etwa 6 und 10. Die Kinder spielen ein bisschen und im Mund des Jungen steckt eine Zigarette. Eine Zigarette? Ja, eine Z-I-G-A-R-E-T-T-E. Ganz schön jung die heutigen Raucher, aber bestimmt denken die Eltern: Wer früh sich an die modernen Drogen heranwagt, ist schneller tot und dann sind wir den Balg wieder los. Während ich weiterschaue, wie sich die Lage entwickelt und mit mir ringe ob es nicht sinnvoll wäre auszusteigen und zu fragen, ob der Vater sie noch wirklich alle hat, entpuppt sich diese Zigarette als Kaugummi, was die Sache aber meiner Meinung nach auch nicht so viel besser macht, denn warum gibt es diese Teile? Damit sich Kindern cooler fühlen und an den Style schon mal gewöhnen können. Also eine echt traurige Sache und mich würden mal die Beweggründe der Produzenten echt interessieren, wobei haben heute Produzenten überhaupt noch Beweggründe, oder geht es denen rein nur noch um das Geld. Man weiß es nicht und ich will jetzt hier nur noch weg und da spüre ich auch schon das erlösende Gefühl: Die Regionalbahn 1265 fährt in Richtung Heimat!

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Donnerstag, 15. März 2007

Ich habe SIE gesehen

Oder: Was neben meinen Starbucks-Besuchen noch so passiert

Irgendwo zwischen Mainz und Frankfurt, 20 nach 7 und die S-Bahn steht mal wieder ohne ersichtlichen Grund in der Pampa herum: Heute bin ich erstaunlich wach, was aber daran liegen könnte, dass der Starbucks-Mann, der mittlerweile meinen Namen schon auswendig kann und ihn fröhlich darüber, dass ich ihm jeden Morgen für ein bisschen Kaffee 5 Euro hinschmeiße, tagtäglich auf meinen „Cafe Mocha“ – in Venti versteht sich - schreibt, heute aus versehen statt einem „Shot“, fünf in meinen Kaffe getan hat. Aber egal, ich singe also vor mich hin und bei den Zeilen

„Girl, you know it's true.
Ooh, Ooh, Ooh I love you.
Yes, you know it's true
Ooh, Ooh, Ooh I love you.“

erblicke ich SIE.

Ihr kennt SIE und ihre Freundinnen aber bestimmt auch. Ganz egal, ob ihr in Frankfurt, München, Hamburg, Berlin oder in Haste-Nicht-Gesehen an der Drossel lebt. Diese Frauen, die so aussehen, wie Haare selbst auf stylisch verunstaltet und bei der IHK mit 10% durch die Verkäuferinnenprüfung bei der Schriftlichen durchgerasselt, die Vermutungen nach gerade entweder von der letzten durchzechten Nacht nach Hause kommen oder zum Arbeitsamt fahren. Man weiß es nicht genau, aber eins ist sicher: Lange kann man bei diesem „Ich bin eigentlich zu alt für hässliche Haare, aber die blauen Schuhe und dieses grüne Kleid waren so schön, die musste ich einfach kaufen!“-Frauentyp nicht hinsehen, dieses Mal ging es aber gar nicht anders:

Ich musste sogar zwei Mal schauen, weil ich konnte es gar nicht glauben, aber SIE, ja wirklich SIE und nicht der schwitzende Mann, der neben ihr saß und mit seinem 59 Cent-Kaffee vom Bäcker um die Ecke, der nicht gegen meinen Starbucks-Kaffee anstinken konnte – ich gebs ja zu, ich bin süchtig nach dem Zeug -, las ein Buch. Wie gesagt, ich musste zwei Mal hinsehen und beim erneuten Aufblicken relativierte sich mein kurzer Zusammenbruch der „So eine wird bestimmt nie über meine Türschwelle kommen“-Frauenwelt.

Es war nicht irgendein Buch, sondern eines, das mir bei der Kombination Leserin-Autorin ein solches Schmunzeln auf die Lippen zauberte, dass könnt ihr euch gar nicht vorstellen. In ihrer Hand lag „Baustelle Mann - Der ultimative Love-Guide“ von der allseits unbeliebten Sonya Kraus, die mit ihren peinlichen Äußerungen durch die Talkwelt Woche für Woche springt.

Mit einem richtigen aufsaugenden Blick, der die letzten Jahre wahrscheinlich nur die Bild-Zeitung als einzige Lektüre gesehen hatte, arbeitete sie Seite für Seite durch dieses Werk durch, dass auf der „Eva ist doof – Rächt euch an Eva“-„Bücher von Frauen aus dem Showbiz“-Welle ganz oben mitschwimmt und bestimmt außer IHR keine anderen Leser hat.

Schließen möchte ich diesen Exkurs „Frauen in der S-Bahn, Teil 2“ mit ein paar Zitaten aus der Pressemappe von Sonyas Buch, die ich in der Firma angekommen, gleich mal angeklickt habe – Was denkt bei diesem Link in der History nun mein Chef? - und euch nicht vorenthalten möchte:
„Ein »Männlein« – was ist das überhaupt? Kann es denken, fühlen, lieben? Oder ist es doch eine Art haariges, ewig erregtes, biertrinkendes Alien?“ Könnt Ihr noch? Japp, dann mal weiter: „Bei 90 von 100 Männern handelt es sich quasi um einen unterentwickelten Ableger der Spezies Mensch, bei dem die evolutionäre Verwandtschaft mit den Menschenaffen extrem auffällig ist.“ Immer noch? Nein? Kommt schon. Ein Satz, ok? „ Das Gehirn unserer männlich-menschlichen Gorillas ist absolut simpel strukturiert. Aber für King Kongs kleine Welt »Kicken, ficken, Fernseh kieken« reicht’s völlig aus!“ Fertig mit der Welt? Gut, dann habe ich jetzt wirklich den letzten Satz: „Ein zwei Seiten langes »Crash-Studium« sollte also vollkommen genügen, um einen Mann vom Keller bis zum Oberstübchen zu durchschauen.“

Na, dann, gute Nacht Deutschland.

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Montag, 12. März 2007

Lexington Bridge: Über 7 Brücken musst du gehen

Ich sag nur: Experiment missglückt

Ephraim Beks, Rob Uncles, Dax O'Callaghan, Nye Oakley und Jerome Simeon: So heißen die neuen Popsternchen Lexington Bridge, wobei heißen bei diesen Fakenamen-verdächtigen-Namensgebilden wohl eher das falsche Wort ist. Auch wenn sich bestimmt schon bald wieder dieses Projektchen von selbst zerschießen wird und dann den Kiddies dieser Bravo- und YAM-Welt mitgeteilt wird, dass sich die Band zerstritten hat, weil Robbielein seine Chucks nicht geputzt hat und die so stark gestunken haben, dass dann Muskelprötzelein Jerome sich so sehr darüber aufgeregt hat, dass seine aufgeblasenen Muskeln geplatzt sind, widme ich mich doch einfach mal diesem Boyband ähnlichen Gebilde.

Starten möchte ich mit einem kleinen Medley, warum die Kiddies dieser Welt die Jungs so toll finden. Dazu habe ich einfach mal im Fanclübchen vorbei geschaut und das Folgende ist bei meiner kleinen Visite mir sofort in die Augen gefallen: „Was findet Ihr denn so cool an Rob? Finde das Rob ein echt Hammer Name ist!“, schreibt da ein Mädel. Ein anderes ein paar Themen weiter: „Ich mag den Nye ganz gern. Er kann so sexy gucken!“ Wieder 2 Klicks später lese ich dann: „Also ich find Jerome echt hot. Sowieso, wenn er grinst...“ Und auch um Dax-Fans habe ich mich gekümmert und diese schreiben: „Am geilsten ist Dax "Moonwalk"!“

Aha, deswegen lieben wir also neuerdings Bands. Die Musik, die ist doch unwichtig. Drauf geschissen! Heute geht es um fette Namen, sexy Männlein, die auch noch ein bisschen rumhüpfen können und dann sind die Trittbrettfahrer-Bravonachläufer-Fans dabei.

Die Ballermann-Sänger, Schuh- und Toilettenputzer von morgen brachten am 02.03. ihre erste Platte raus und die hat es in sich: Wir sehen einen Punk – der mit dem coolen Namen – mit seinen, sagen wir mal, angedichteten Freunden eine Choreographie tanzen. „Kick Back“ heißt das Stück Keine-Musikgeschichte und ich sag euch in 2 Wochen liegt dieser Pseudo-Pop-HipHop-Mix, der sogar diesen echt einfach zu kopierenden Musikrichtungen nicht gerecht wird, auf den 50-Cent-Tischen der Plattenläden.

Der Song und die ganze Band ist einfach zu sehr wie all die anderen. Es ist einfach eine Neuabmischung von Us5 und co und der Style ist einfach zu nah an dem, was die anderen weit erfolgreicher schon länger machen. Bitte nicht missverstehen: Ich finde auch die genannten Us5 nicht besser, aber da wirkt das Ganze weit authentischer und abnehmbarer. Außerdem wirken die 5 einfach viel zu zusammengewürfelt und es ist keinerlei Grund zu erkennen, warum man diese Band toll finden sollte, denn alles hat man woanders schon viel besser gesehen.

Und liebe Kiddies, bevor ihr jetzt mit einem „Machts doch du einfach besser!" kommt, dann sag ich nur: Gebt mir einen Plattenvertrag und dann beweise ich euch das gerne und haha, ihr werdet meine Fans sein, denn bei der Bravo kenne ich jemanden und das zählt ja neben coolen Namen – ich heiße dann übrigens Sebastiano Henselitsch – und ein bisschen Tanzen, was ich doch auch hinbekommen sollte.

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Der Nachmittag des Grauens

Was man besser zwischen 12 und 17 Uhr nicht machen sollte

Das Phänomen von wegen „Nein, ich würde doch niemals die Bild-Zeitung lesen.“, dann aber jeden Morgen der erste sein, der sich am Kiosk um die Ecke die Blättersammlung, denn Zeitung kann man diesen Bilder- und Falschinformationswust ja nicht nennen, mitnimmt und dann gemütlich in den ersten 2 Arbeitsstunden mit seinen Kollegen durchspricht, gibt es ja in praktisch allen Bereichen des Lebens.

Niemand würde zu McDonalds gehen und sich diese schrecklichen lebensmittelähnlichen Stoffe einführen, niemand würde jemals eine Platte von den, naja nennen wir sie mal Jungs von Tokio Hotel anhören und auch niemand würde sich diese „Wir spielen mal eine Runde Gericht nach“-Shows, die nachmittags über den Fernseher flimmern, anschauen. Dennoch aber – Achtung: Ich übertreibe jetzt ein bisschen - weiß jeder wie teuer der Big Mäc ist und was für Farben die Strohhalme bei McDonalds haben, jeder kann mindestens drei der Kompositionen der Produzenten und Autoren von Tokio Hotel mitsingen und ebenfalls jeder kennt die Fälle, die am Mittag bei den Saleschs und Holds unserer Fernsehlandschaft gelöst werden und genau mit diesen bzw. vielmehr mit den Gerichtsshows im Allgemeinen möchte ich mich in den nächsten Zeilen beschäftigen.

Auch ich muss zugeben, dass ich, wenn ich gegen 3 Uhr zu Hause ankomme und ich dann auf der Suche nach einer netten Geräuschtapete bin und den Fernseher einschalte, beim Urteilefällen hin und wieder hängen bleibe und dann einer der etwa 3 Millionen Zuschauer dieser RTL- und Sat1-Produktionen bin. Aber wer sind die anderen 2.999.999 die sich täglich von schlechten Schauspielern, noch schlechtere Drehbücher vorspielen lassen? Und noch viel wichtiger: Was ist der Reiz an der ganzen Geschichte?

Um in meiner Familie zu bleiben, nenne ich als erstes Mal an dieser Stelle meine Oma: Sie schwört Stein und Bein, dass diese Pseudoschauspieler echt sind und wundert sich regelmäßig, dass sie von den Fällen in der Presse noch nie was gehört hat, aber warum auch? Sie sieht ja im TV wies ausgeht und hat daher schon längst ihre Zeitung abbestellt. Gut, dann wären es noch 2.999.998 Menschen.

Einer weiterer der Zuschauer ist mein Nachbar Max. Er ist 22, hat mit der Welt abgeschlossen und verflucht alles und jeden und nachdem Aufstehen um 12 Uhr mittags tut ihm eine dieser Shows einfach nur gut, denn bei denen kann er so gut entspannen und von der letzten durchgezechten Nacht wieder runterkommen.

Eine weitere Person, können wir dann von der Liste streichen: Noch 2.999.997 und langsam merke ich, dass es wohl den Rahmen sprengen wird, wenn ich wirklich hier jeden einzelnen aufzählen würde! Wobei? Das wäre auch mal ein Projekt. Aber egal! Wenn man weiterschaut sieht man, dass neben den erwähnten älteren Semestern, die genauso wie auch die Zuschauer aus dem Kreis der Arbeitslosen, mit der Welt schon abgeschlossen haben und die auch keine weitere Gerichtsshow noch mehr verderben kann, mindestens aber auch genauso viele Jugendliche Tag für Tag sich diese Shows reinpfeifen und genießen.

Von ihren Eltern vergessen und getreu nach dem Motto „Für die Schule kann ich auch mal in 10 Jahren bei meinen Besuch der Abendschule lernen, wenn ich gepeilt habe, dass meine Jugend ein Fehler war, aber ich lebe jetzt und will jetzt verdummen.“ erleben sie Tag für Tag die Gerichtsshows unserer Fernsehmacher.

Eine gute Talkshow passt nicht in das Lebenskonzept dieser Jugendlichen und auch die Doku auf N24 ist ihnen zu hoch und deswegen schauen sie sich das an, wo sie sich am besten auskennen: Die Gerichtsshows, in denen es um die Hure von nebenan und den Sozialhilfeempfänger geht, der gemordet hat.

Waren es in den ersten Monaten dieser Sendungen noch realistische Fälle, die bei der roten Salesch gelöst wurden, geht es heute nur noch um das eben Erwähnte und ich wette mit euch: Da die Produktionskosten so niedrig sind und der Erfolg auch nach vielen Monten und Jahren nicht ausbleibt, wird es noch lange mit diesen Gerichtshows weitergehen.

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Samstag, 10. März 2007

Damals wie heute...

Aus einer Welt in der Bilder Menschen verändern

An einem verschneiten Wintertag in den 30ern: Hans ist vor ein paar Tagen 14 geworden. An seinem Geburtstag hat er einen Geldschein von seinem Onkel zugesteckt bekommen. Heute hat er sich vorgenommen, dass er sich von dem Geld etwas kauft, was er schon immer haben wollte: Ein Comicheft!

In der hinteren Ecke des Bahnhofs gibt es diese Comics. Diese gezeichneten Bildergeschichten mit Sprechblasen, in denen Menschen mit Superkräften Abenteuer erleben, gibt es erst seit ein paar Monaten und obwohl sie kaum einer gelesen hat, gelten sie als etwas Schlechtes, das zu einer oberflächlichen, klischeehaften Wahrnehmung der Umwelt führen soll. Zumindest sagen dies die Erwachsenen, aber Hans war ja erst 14 und er fand die Geschichten toll, auch wenn seine Eltern ihm verboten hatten, sich so etwas anzuschauen.

Er schlich sich also am Nachmittag aus dem Haus und ging zum Bahnhof und kaufte sich eine dieser Comicgeschichten. Mit dem Heft in der Hand verschwand er wieder zu Hause angekommen in seinem Zimmer. Als später sein Vater in den Raum kam und entdeckte was sein Sohn da las, fing dieser an zu schreien und wurde wütend. So etwas Schreckliches, dass Sprachstörungen verursachen würde, käme ihm nicht ins Haus. Dass sein Sohn so etwas lesen würde, hätte er nicht gedacht. Daraufhin bekam Hans 2 Wochen Hausarrest und natürlich wurde ihm auch das Heft weggenommen und von seinen Eltern vernichtet.

Ein paar Jahrzehnte später: Hans ist mittlerweile über 90 Jahre alt. Vor ein paar Tagen hat er seine Comicsammlung aufgelöst. An die 200 Hefte schenkte er seinem Enkel Tim, der ihn fast täglich besuchen kommt und ihm hilft wo er nur kann.

Längst hat er die Sache mit seinem Vater und den Comics vergessen. Damals konnte er seine Eltern dann doch irgendwann überzeugen, dass an diesen Schundblättern, wie sie immer zu sagen pflegten, nichts Schlimmes dran ist. Er zeigte ihnen die Hefte und sie erkannten, als sie darin blätterten, dass sie wirklich nicht schlimm waren. Sein Vater kaufte sich sogar später selbst ein paar Comics.

Mit der Zeit kapierten dies auch die, die in den 30ern noch so gegen dieses neue Medium gewettert haben. Nach und nach wurden Comics zu einer Kunstform anerkannt und heute würde sich niemand wagen, der nicht seinen Ruf verlieren will, etwas gegen Comics sagen, denn es hat sich gezeigt, dass sie keinerlei Schaden anrichten, es keine Massensprachstörungen ihretwegen gibt und auch niemand oberflächlich oder klischeehaft denkt, weil er in seiner Jugend Comics gelesen hat.

Klar, der eine oder andere, hat eine Sprachstörung und manch einer denkt auch in Klischees, aber hätte er dies nicht auch getan, wenn er keine Comics gelesen hätte. Hans ist sich da sicher.

Aber zurück in die Gegenwart: Am Vortag hatte Hans im Fernsehen gesehen, dass es an Computern – ein Medium, dass er nie verstanden hatte – neuerdings ganz schreckliche Spiele gibt, in denen es ums Erschießen von Menschen per Mausklick geht. Von seiner Tochter weiß er, dass Tim diese Spiele auch spielt. Er kann es nicht verstehen, dass die heutige Jugend etwas solches tut und so was toll findet. Man sollte so etwas verbieten, denn man hat schon so oft gesehen, dass ein solcher Konsum zu schrecklichen Taten geführt hat – Killerspiele halt.

Etwas, das sich immer wieder wiederholt? Wir werden es sehen...

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Donnerstag, 8. März 2007

Der Nächstbeste

Von denen, die auszogen um Stars zu werden

Wir kennen doch alle die immergleichen, gefühlten 3, 4 Lieder, die auf den "Schmeißen Sie doch bitte Ihr Geld bei unserer 0137-Nummer raus und nuscheln sie in den Hörer etwas, was hinter unserem spooky Geräusch stecken könnte. Wir hören den Anrufbeantworter aber eh nicht ab, sondern faken den Gewinner."-9live-Verschnitt-Dudelfunkradios hoch und runter gespielt werden, so gut wie auswendig. Nicht weil sie so genial wären, sondern weil irgendein Programmdirektor eines Radios mal gesagt haben muss, dass es sexy ist die Songs solange durchzunudeln, bis selbst der hartgesottenste Pop-Musik-Liebhaber entnervt das Radio ausschaltet und sich einen iPod kauft.

Eines dieser Lieder, die täglich an die 20 Mal über den Äther dudelt ist "Next best Superstar" von Melanie C. Die Frau, die sich wohl keinen Nachnamen leisten wollte, konnte oder was auch immer und sich daher auf ein C beschränkte, war vor ein paar Jahren in der gecasteten Power-Pop-Girlgroup "Spice Girls" und singt mit diesem Song schon seit einigen Monaten gegen die Musikwelt an. Wenn auch sie mir grundunsympathisch wegen ihrer Vergangenheit ist und ich mir sicher bin, dass sie in ihrer Gewürzzeit bestimmt niemals getraut hätte, gegen irgendetwas, was zu sagen, muss man bei den hiesigen Radiowellen immer wieder durch ihren Song durch und eins muss man ihr lassen: Die Texter von diesem Werk, hatten an dem Tag an dem sie diese Lyrics geschrieben hatten, wohl keinen so schlechten, denn das was Frau C singt, ist gar nicht so doof.

Es geht um die Musikbranche: Die Seele verkaufen, ausgenutzt werden und nach dem kurzem Ruhm auf die Fresse fliegen. Irgendwie hat sie schon recht.

Aber mal von vorne: Widmen wir uns mal dem Thema Castingshows! Ich finde, dass solche Sendungen im TV von der Idee her gar nicht so schlecht, wie immer und überall gesagt wird. Man bekommt die Möglichkeit sich einer breiten Masse vorzustellen, eine Jury bewertet den Gesang und der Gewinner bekommt einen Vertrag und kann ohne Umwege Platten verkaufen und erhält durch seine Castingshowpräsenz einen gesunden Popularitätsschub, denn die Zuschauer haben schließlich ihn zum Star gewählt, weil sie ihn gut finden. In der Theorie klingt so etwas eigentlich ganz gut, wenn man dann aber mal genauer hinschaut, sieht man, dass die Praxis wie so oft im Leben eine ganz andere ist.

Kennen wir noch einen der Gewinner dieser Shows? Nein! Vermissen wir sie aber wenigstens? Auch diese Antwort ist ein eindeutiges nein, was die kommerziellen Flops von schon der 2. Single beweisen und ich kann mir auch denken wieso: Waren die Künstler an dem Tag an dem sie das erste Mal vor der Jury vorgesungen haben, noch individuelle Typen, die eigene Ideen und Kreativität hatten, hat sich dies ziemlich schnell geändert. Nach und nach wurde kamen die Bosse von unseren RTLs und ProSiebens und gaben den Alexandern dieser Welt zwei Möglichkeiten: Entweder sie tanzen nach ihrer Pfeife und singen so energiegeladene, schnelle und einzigartige Titel wie "Take me tonight" oder sie fliegen. Und weg war die Individualität und gegen Ende der Show klangen alle gleich. Weichgespülter Pop, der allen und niemandem gefällt, kam jedes Mal heraus und so wird es auch die nächsten Male bestimmt sein, wenn wir wieder den mega-supa-duba Superstar kühren werden, denn den Fernsehsendern ist es ja egal, ob der Künstler Erfolg hat oder nicht, denn es geht nur um die Quoten der Show und sonst weiter nichts und die sind dann hoch, wenn es Tränen, und Zusammenbrüche der Teilnehmer gibt, gepaart mit laut schreienden Jurymitglieder, die gegen alle und jemanden etwas haben. Da ist die Musik gar nicht so wichtig. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden geradezu verheizt und ausgenutzt und ihnen wird vorgegaukelt, dass sie das für ihren Traum tun müssen, aber kommen sie damit einer erfolgreichen Musikerkarrie auf Dauer näher? Schon wärs...

Aber während die ganze Welt von Web 2.0 redet und sich dort in wildesten Theorien verrennt, ist im Musikbiz Verheizen 2.0 angesagt. Was vor eins, zwei Jahren noch mit den Castingsstars so wunderbargeklappt hat, macht man heute mit Hotels, Pilzen und Feen. Da haben ja die vier Magdeburger vor ein paar Monaten den deutschen Musikmarkt erobert, wobei diese Eroberung keinesfalls für meine Ohren positiv war, aber daran wollen wir uns gar nicht aufhalten. Jugendliche, in denen die Plattenbosse ein ähnliches Potenzial gesehen hatten, gab es in den nächsten Monaten zu Hauf auf den Deutschen Fernsehern in den ach so tollen Klingelton- pardon Musikabspielkanälen zu sehen.

Wie (Killer-)Pilze schossen andere Bands aus dem Boden, die einerseits die selbe Zielgruppe bedienen und anderseits genauso waren wie unsere Namens-Japaner, doch gehalten haben sich bis auf 2 oder 3 Ausnahmen keine, aber versprochen wurde den jungen Musikern allerhand. Sie wurden von ihren Managern hochgelobt und nachdem es kommerziell nichts zu reißen gab, wurden sie wieder abgeschoben und der nächste ihrer Art wurde ausprobiert, denn bei solchen Jugendlichen ist eine solche Wegwurfmentalität wirklich kein Problem, denn es will ja jeder ein Star werden und wenn es nichts wird, dann halt drauf geschissen.

Traurig aber war, aber was will man erwarten in einer Welt, in der Musik fast nur noch aus Handys junger Ausländer in Zügen und Bussen zu hören ist und selbst Musiksender lieber etwas anderes zeigen.

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Mittwoch, 7. März 2007

Eine Ode an die Handys

Das Ende vor dem Anfang

Sie, ja wirklich SIE saß mir endlich gegenüber. Wochen langen Wartens und schüchternen Hinterherblicken könnten sich jetzt auszahlen. Sollte ich sie wirklich ansprechen?

Aber erst mal ganz von vorne: Ich fuhr wie jeden Wochentag auch gestern mit der S-Bahn nach getaner Arbeit nach Hause. Es war später Nachmittag und meist nutze ich diese halbe Stunde in der Bahn zum Dösen und Entspannen. Im Nachhinein war ich froh, dass es gestern nicht so gewesen war, denn SIE, ja genau sie, die ich schon die letzten Tage im Blick hatte, setzte sich genau gegenüber von mir auf einen der harten S-Bahn-Sitze und schaute sogar ab und zu in meine Richtung.

SIE war etwa 1 Meter 70 groß, schlank und hatte dunkles Haar mit ein paar blondierten Strähnen. Ein Traum aller Männer und ich war ihr so nah, wie noch nie, denn gesehen hatte ich sie schon öfter, wenn sie ein paar Meter weiter vorne im Zug sich gegen die Tür lehnte und wie sie dabei immer lächelte. Ich konnte einfach nicht anders als sie anzuschauen. Ich musste die Chance einfach ergreifen und sie ansprechen!

Während ich mir noch überlegte wie ich dies am geschicktesten anstellen sollte, klingte ein Handy. Es war ihr Handy. Sie kramte es so sexy und süß hervor, wie noch niemand zuvor auf dieser Welt. Ich glaub ich war verliebt, dachte ich nur, als ich meine Gedanken ordnete und mich schon innerlich darauf vorbereitete, wie ich nachdem sie wieder aufgelegt hatte, sie ansprechen sollte.

Innerhalb weniger Sekunden kam es auch schon wieder zur Beendigung des Telefonates und dieses Ende war auch der Schlussstrich unserer Beziehung, die zu diesem Moment noch gar nicht begonnen hatte.

Was war aber passiert? Ihr Freund war es nicht am anderen Ende der Leitung und wenn es so gewesen wäre, wäre es auch nicht für mich ein Problem gewesen, denn ich hätte um sie gekämpft, wie um nichts Gutes und ich hätte sie auch bekommen - irgendwie. Da bin ich mir sicher. Aber zurück in die Realität: Ich glaube ihr Vater hatte sie angerufen, oder so. Ist aber auch egal, denn als sie die ersten Worte nachdem sie abgenommen hatte, in das Handy gesprochen hatte, klappte mein Mund auf und ging einfach nicht wieder zu. Sie sah so gut aus und sprach mit einer solchen Stimme? Quieken, krächzen und Dialekt in einer Mischung, die nicht gut war. Ich konnte es nicht fassen.

Was hat Gott bei ihr nur gedacht?

Ihr kennt doch bestimmt diese Rollenspiele in denen man den Charakteren Skills zu ordnen kann? Hat Gott etwa alle Skills auf „Aussehen“, „Charme“, „Styling“ und „Charakter“ verteilt und keine mehr über gehabt, oder was war los? Man weiß es nicht!

Wieder nichts, dachte ich nur und fing an zu dösen...

Dienstag, 6. März 2007

„Hol sie dir jetzt die neuen Handyhuren als Sparabo auf dein Handy!"

An alle Jambas dieser Welt

Klar, die Geschichte mit den Trashshow-, pardon, Musiksendern VIVA und MTV ist alt und ausgelutscht, dennoch aber schalte ich auf der Suche nach einer netten Klangtapete doch diese manchmal ein.

So auch vor ein paar Monaten: Ich sah einen Clip und – ich gebe es ja zu – ich döste bei der säuseligen RnB-Musik etwas ein. 5 Minuten später wurde ich aber sofort und ohne Umwege von einer Männerstimme angeschrieen und nichts war mit dem Schlaf:

„Hol sie dir jetzt die neuen Handyhuren als Sparabo auf dein Handy!“

Hossa, dachte ich nur. Ist es denn schon so weit. Kann ich jetzt mir im super, sexy Sparabo jetzt nette Damen holen, die sich gegen deftige Telefongebühren ein vibrierendes Handy - naja, soweit will ich gar nicht denken! Möglich wäre ja alles in einer Welt, die von Fröschen, Kühen und Eseln bevölkert ist, die je nach Wunsch die drei Worte mit „K“ tun: kotzen, kuscheln oder kichern.

Aber irgendwie war es dann doch etwas unrealistisch, wobei, wenn man es sich genau überlegt: Was hat nicht Jamba schon alles gebracht, worüber wir nur die Stirn gerunzelt haben und was die Kiddies dieser Welt so lieben.

Dennoch muss man aber der Firma eines lassen: Sie haben es geschafft: Jeder kennt sie, jeder hasst sie und dennoch machen sie eine – anscheinend – sehr rentable Arbeit.

Wie gesagt, ich konnte es wirklich nicht glauben mit den Handyhuren und schaute deswegen als der Spot das siebte Mal in der Dauerschleife lief genau auf den Fernseher und ok, ich hatte mich vertan: Es waren keine Huren, sondern Uhren, aber das war so täuschend echt vorgetragen worden und sein wir mal ehrlich: Die 2 Buchstaben werden sich irgendwann auch umdrehen.

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„Arbeit ist scheiße“

Muss das sein?

Um mal ein bisschen ernster zu werden, schauen wir uns doch heute mal in Großstädten um. Wir sehen praktisch an jeder Ecke einen Punk herumlungern und hier und da einen mit seinen Kumpels auf der Parkbank hocken.

Ein solcher Punk trägt mit 99-prozentiger Sicherheit die zerschlissenen Kleidung der Marke „Arbeit ist Scheiße“ und „Nazis sind doof“. Außerdem dürfen natürlich auch die Stacheln nicht fehlen – auf dem Kopf, wie auch an der Kleidung. Solche Leute, die so aussehen, fühlen sich als Punks und werden von unserer Gesellschaft so definiert.

Aber die Frage die ich mir bei einem solchen Anblick immer stelle: Sind solche Leute eigentlich wirklich „wahre“ Punks? Sind Leute, die nur rumlungern, keine kreativen Ideen haben und meist besoffen in der Gruppe auftreten wirklich Punks?

Da sind wir aber schon beim nächsten Problem: Der Definition von Punk!

Für mich ist ein Punk jemand, der eine alternative Weltanschauung hat, die kritisch und politisch links in einem ist, aber ist eine solche mit einem besoffenen Alkoholopfer zu vereinbaren? Für mich ist ein Punk jemand, der einzigartig ist und sein Leben alternativ meistert. Außerdem ist ein Punk für mich jemand, der cool ist und Stil hat.

Schaut man in andere Länder, so sind Punks oft solche Typen. Sie sind cool und fallen durch ihr alternatives Leben auf. Oft laufen sie auch nicht mit ihren Bomber-ähnlichen-Jacken rum, sondern haben jeweils einen eigenen Style, der sie ausmacht und sie als einzelnen beschreibt. Sie sind alternativ und scheißen auf andere.

Das letzte haben sie mit ihren deutschen Kollegen gemein, aber nur das letzte und oft sind sie auch für viele das Letzte. Ich frage mich: Ist jemand individuell, der wie 99% der Gruppe aussieht? Ist jemand alternativ, der nichts tut? Ist jemand ein Punk, nur weil er so aussieht?

Es sind einfach ganz andere Typen hier in good old Germany, die Punk sind, denn wenn in anderen Ländern die Punks später aus ihrer Zeit als Alternative etwas mitnehmen, ist den Deutschen Punks alles genommen nach ein paar Jahren Straßenspaß.

PS: Klar, es gibt Ausnahmen, das will ich gar nicht abstreiten, so kenne ich zum Beispiel mehr korrekte Punks, als das ich Finger an meinen Händen habe, aber diese sind meist von den anderen – der großen Saufparty, pardon, „Gemeinschaft“ – verstoßen.

Montag, 5. März 2007

„Schrei so laut du kannst“

Oder: How to destroy a concert!

Zu aller erst: Ich bin über jeden froh, der Tokio Hotel Leuten wie Mr. Streifschuss 50 Cent vorzieht, aber nicht, weil die Magdeburger Milchbubies so super sind, sondern weil ich solche Kiddies nicht ganz abhake, weil, ok, die Musik von Tokio Hotel ist grottenschlecht, aber wer sich dem Ami-HipHop verschrieben hat, der gehört ganz abgeschrieben.

Aber darauf wollte ich nicht raus, sondern auf etwas anders, was mir manchmal schon fast die Tränen in die Augen treibt bzw. meine Ohren sich nach innen drehen lässt: Die Kreischies sind los und diese neue Musikfans sind auf dem Vormarsch.

Aber man langsam: Was ein Groupie ist, das wissen wir ja alle. Worum es denen geht auch! Was ein Fan ist, ist ebenfalls klar, aber die Geschichte mit den Kreischies ist was ganz eigenes:

12-Jährige, die eine Band so toll finden, dass sie umfallen, wenn sie sie auf der Bühne sehen und die Zeit, die vor dem Fall liegt, mit Kreischen verbringen.

Aber fangen wir mal mit der „früher war alles besser“-Geschichte an: Früher, da wurde auf Konzerten applaudiert. Eine Band betrat die Bühne, dann wurde geklatscht und man hörte hier und da jemanden anerkennen Pfeifen. Die Männer grölten den einen oder anderen Song mit und alle waren glücklich und konnten die Musik genießen!

Aber heute, ist die Sache eine ganz andere: Statt klatschen, bekommt man eine geklatscht, wenn man zu groß ist für die 12-Jährigen Fans und statt Musik gibt es ein paar Dezibel lautes „Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah“ überall und immer zu hören. What, the fuck is going on? Wer hat den Mädels erzählt, dass man sich so auf Konzerten verhält? Wer? Ich wars zumindest schon mal nicht...

Selbst in der Bravo oder so war davon nie die Rede, aber egal: Die Band wird’s schon lieben. Nur die Frage, die ich mir dann immer stelle: Tun die das? Wollen unsere Stars wirklich umfallende kreischende 12-Jährige sehen?

Als Konzertbesucher hat man doch irgendetwas von diesen Kreischumfallern: Sind erst mal alle abtransportiert und bei den Johannitern ist eine Ruhe auf dem Konzert, wenn da nicht die geile Musik wäre, die man dann endlich wieder hören kann.

„Loooooooooooool“

... oder: Das Second Life eines Reallife-Hassers

Momentan macht vielerorts die Computersimulation “Second Life” die Runde. Hier mal geschicktes Marketing, da eine Sendung mit dem „Spiel“ als Thema und hier ein Artikel dazu. Mittlerweile kennt „Second Life“ eigentlich jeder, der ein bisschen was für das Internet und Computer übrig hat.

Aber stellen wir uns doch mal die Frage: Ist nicht unser "Second Life" das „Reallife“ vieler PC-Kiddies, die Nachmittags lieber ein paar Bomben unter der Counterstrike-Bevölkerung verteilen. Es scheint so, denn man merkt richtig wie diese jungen Burschen versuchen ihr virtuelles Leben mit dem unsrigen zu kombinieren und das mit Erfolg, der eine Mischung aus Schmunzlern und Angst auslöst.

Da laufe ich nichts ahnend durch die Weltgeschichte und hinter mir brüllt doch glatt ein jugendliches Wesen: „Loooooooooooool, das ist ja so rofl!“ Ich will jetzt nicht als Hasser moderner Technik da stehen und finde die vier Israelis super, die ICQ aus dem Boden gestampft haben und mittlerweile das eine oder andere Milliönchen auf ihren Geldkarten spazieren tragen – keine Frage, aber gehören solche Worte wie lol, rofl, omg und 1337 wirklich in das „Reallife“?

Ich sag: Nö! Klar, kann man das ganze mit dem Worten „moderne Jugendsprache“ abtun, aber ist ein solcher Slang wirklich nötig oder viel mehr: Sind die Leute, die so etwas ins normale Leben transportieren nicht arm dran, denn wenn man den ganzen Tag nur den Computer nutzt und sonst nichts macht, dann verliert doch das Leben die wirklich interessante Seite und das ist schade und daher:

mu55 D42 wirkliCh 53In? n3In, 0D3r?

Sonntag, 4. März 2007

Ich hab es getan

... oder: Warum ich froh bin keinen großen Bruder zu haben

Mama, ich hab Angst, habe ich heute 60 Minuten lang gedacht. Denn heute habe ich mich ertappt, wie ich den großen Bruder gesehen habe. Ja, den richtig großen Bruder: BIG BROTHER auf dem Frauentausch-, Pseudo-Doku- und Kochshow-Kanal formaly known as RTL Nummero 2.

Frage 1, die mich beschäftigte, während ich mich 60 Minuten abzüglich minutenlanger Werbeunterbrechungen verblöden lies, war: Wer lässt sich da nur einsperren. Was für arme Würstchen sind denn das. Dumm, jagt blöd, kombiniert mit dumm-blöden Personen, die sich bestimmt schon aufgegeben haben. Echt schrecklich was ich mir da heute angetan habe, aber eine 2. Frage quälte mich viel mehr:

Wer tut sich denn so was eigentlich außer mir noch so an?

Lässt sich Frage 1 noch recht schnell mit den Worten kamerageil kombiniert mit 0 Wissen und keinem Potenzial für eine richtige Sendung beantworten, ist die Antwort auf die 2. Frage schon viel schwerer. Einerseits kann man von dem Milliönchen, dass die Sendung schaut, bestimmt die Hälfte den verzweifelten Hausfrauen zuordnen, der Rest, was immerhin noch 500.000 Leute sind, ist aber nicht ganz so einfach in der Bevölkerung zu finden, aber ich habe da eine Vermutung:

Die JUGENDLICHEN sind es und hier stelle ich mir die Frage: Darf das so sein? Dürfen wirklich so viele Leute, die noch in der Entwicklung stecken sich verblöden lassen? Ist das erlaubt? Anscheinend ja, denn RTL 2 sendet ja nicht zum ersten Mal dieses Format.

Ich frage mich: Warum schaut man sich so was an? Was hat man von einem Dutzend Leuten, die genauso blöde sind wie man selbst oder die eigene Blödheit unterbieten? Ich kann so etwas nichts abgewinnen.

Was ich mich viel mehr noch Frage ist: In welcher Lebenssituation muss man denn sein, um eine solche Sendung gut zu finden und was mich noch viel mehr quält: Was kommt als nächstes? Wobei die Frage kann ich eigentlich ganz leicht beantworten:

Die nächste Staffel...

Die Beschallungsmafia

... oder: Wie der amerikanische HipHop nach Deutschland kam

6 Uhr und 20 Minuten. Eigentlich würde ich um diese Uhrzeit noch schlafen, aber es steht das Absolvieren meiner Ausbildung auf dem Tagesplan. So sitze ich in der S-Bahn und fahre in Richtung Frankfurt.

Plötzlich höre ich hinter mir jemanden laut sagen: „Fuck you little sucker, fuck you. I will kick you and so on!“ Vor 5 Jahren wäre ich bei solchen Tönen noch schnell aufgesprungen oder wäre ängstlich in meinem Sitz zusammengesunken, aber so etwas ist mittlerweile ganz normal und ich weiß jetzt auch, dass ich bei solchen Beleidigungen nichts zu befürchten habe, denn ein solcher Satz wird untermalt von Buschtrommel ähnlichen Tönen - in Fachkreisen Beats genannt - und kommt nicht aus dem Mund eines durchgeknallten Amis, der aus der Geschlossenen am Vortag ausgebrochen ist, nein, solche Töne schallen durch die Boxen der Handys junger, oft ausländischer Mitbürger.

Der neuste Trend ist es, dass man nicht nur sich selbst beschallen möchte, wenn man außerhalb seiner eigenen vier Wände ist, nein, jeder muss jetzt wissen was für Musik man gerne hört. Ja, wirklich "jeder", denn die Definition dieses Wortes ist hier der Knackpunkt. Dieser "jeder" sind nicht nur die, die wollen, sondern wirklich alle, die im Umkreis von 30 Metern des HipHop-Liebhabers sich befinden.

Ich habe absolut keine Ahnung wer der Vorreiter und Erfinder bzw. Züchter dieser neuen menschenähnlichen Spezies waren, aber die „S-Bahn-Beschallungsmonster“ (so nenne ich sie mal vorläufig) sind unter uns. So gut wie jeden Morgen lerne ich neue Schimpfworte, zu Zeiten zu denen ich normalerweise gerne in der Bahn dösen würde, kennen.

Ich habe gelernt, dass sich amerikanischer HipHop von dem Prolo-HipHop aus Deutschland kein bisschen unterscheidet und genauso schrecklich ist. Aber wollte ich das eigentlich lernen? Ich glaube nicht. Man hat mich auch nie gefragt, aber dennoch weiß ich es jetzt.

Was geht nur in solch Jugendlichen vor, die einfach mal ihr Handy auf Anschlag aufdrehen und dann jeden mit ihrer Musik beglücken. Bei mir ist es sogar so, dass ich oft checke ob ich meinen iPod zu laut habe, weil ich ja keinen stören möchte, aber was fällt solchen Kindern nur ein und die viel schlimmere Frage: WAS KOMMT DANACH?

Erwarten uns bald Boxen auf Rädern, die an die Weltherrschaft kommen wollen? Kinder, ich hab Angst und bitte: MACHT MORGEN EURE MUCKE LEISE, ICH WILL SCHLAFEN. Gute Nacht!

Von allem ein bisschen

Vom trendy Mix aus Punk und HipHop in Kleidung und Musik

Ob auf den Covern der CDs, die im heimischen Plattenregal stehen oder vielmehr virtuell auf der Festplatte des Computers eines Jugendlichen sind, nun junge Mädels einen alten HipHop-Meister zumindest angedeutet in wiederum eindeutigen Positionen glücklich machen oder ob diverse Stachelfrisur tragende Punks zu sehen sind, war noch vor wenigen Jahren eine wichtige Entscheidung. Entweder man war trendy fresh und voll dabei im HipHop-Slang oder man war hart, sehr hart und hörte Punkmusik.

Heute geht beides, zumindest denkt man dies, wenn man die sich die Kleidung, oder das was davon übrig geblieben ist, der Teenie-Mädels anschaut. Wo man früher klar den Musikstil erkennen konnte, den jemand favorisiert, ist heute eher ein Ratespiel angesetzt, das, glaubt man den Bravos dieser Welt, der neue Trend ist.

Klar, man hätte auch schon vor 5 Jahren die HipHop-Jeans mit „Ich bin ein Pimp, holt mich hier raus“-Arschaufdruck in die über den Knöchel gehenden Chucks stecken können und darüber dann den Rockstyle mit rockig angehauchter Oberteilkleidung weiterführen können, aber man tat es nicht und das hatte auch einen Grund: Entweder, oder!

Das ist jetzt nicht mehr so wichtig. Musikalisch geben die einschlägigen Jugendblätter einen Mix vor, der vom Marketing der Plattenfirmen bestimmt wird. So gab es vor einigen Jahren erst mal eine reine Punkbewegung nach dem Motto: ""Die Ärzte", die neuen Teenie-Stars!", die die Szene gesellschaftsfähig machte, aber so schnell verschwand, wie sie gekommen ist. Dann tauchte die HipHop-Bewegung auf und züchtete die vielen Pseudos der Marke Gangsta und nun haben wir den Salat: Dachten doch die Plattenbosse: Jetzt wollen wir die Kiddies komplett haben und mixen doch mal beides: Was dabei rauskommt, dass hören wir einerseits seit ein paar Monaten neben den Klingeltönen und erbärmlichen Trashshows auf Viva und jetzt sehen wir es auch auf unseren Straßen: HipHop-Punk-Monster, die durch die Straßen wandeln und sich weder vom Aussehen, noch von der Musik, von der Identität ganz zu schweigen, entscheiden können was sie wollen.

Es geht ja auch so: Frei nach dem Motto: Von allem ein bisschen.

PS: Wenn man die Mädels, die diese Kleidung auftragen, nach ihrem Musikgeschmack fragt, kommt es zu der nächsten Geschmacksverirrung: Tokio Hotel! Aua, das tut weh!