Knallhart hinter die Kulissen geblickt
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„Was solls denn sein?“, fragte mich die Frau, deren Aussehen sich mit dem Slogan von Ritter Sport erstaunlich gut deckt und schaute mich mit einem offenem Mund, der von einer Geschmacksverirrung von pinken Lippen umrandet wurde, an. Auch wenn es mich reizte, konnte ich gerade noch den Satz „200 Gramm von der Salami, bitte!“ unterdrücken und kam mit der Wahrheit: „Oben 1,5 Zentimeter ab, an den Seiten mit der Maschine. Das ganze bitte so, dass es geltauglich ist.“ Sie nickte und fing an mit einer Sanftheit die Haare zu schneiden, die sonst nur die Rinder vor ihrer Abschlachtung erfahren – womit wir wieder in der Metzgerei wären.
Ihr merkt schon, heute war es mal wieder an der Zeit frisiert zu werden und bei diesem 10-Euro-„Wir sind zwar hässlicher, dafür aber auch billiger als der Rasier zu Hause und deswegen komm rein“-Angebot, konnte ich einfach nicht widerstehen. Während ich durch den Spiegel den alten Mann beobachte, der sich lauthals über die Uzz-Uzz-Klänge in diesem Trend-„Wir spielen die Musik von der Platte „Best of 1993“, äh pardon, DEINE Musik“-Friseur aufregte, summte erst das Maschinchen herum und wurde dann von der Schere abgelöst.
Nachdem ich mehrfach meiner Haarkürzerin, die scheinbar die Zahl als IQ hat, der auch als PH-Wert auf ihren Cremetübchen steht, versucht habe zu erklären, dass 1,5 eben nicht 0,8 Zentimeter sind, erbarmte sie sich irgendwann widerwillig noch mal die Schere zu schwingen und das abzuschneiden, was abgeschnitten gehörte. Daraufhin kamen wir etwas ins Gespräch und diesmal wollte ich endlich die Fragen aller Fragen in Sachen Friseur klären, die dem einen oder andern männlichen User dieses Blogs bestimmt auch auf den Nägeln bzw. in den Haarwurzeln brennt: „Warum schneidet ihr immer weniger ab, als ich will.“
Die Antwort war verblüffend, aber logisch und es schien, dass es Frau „Die 90er waren so toll und deswegen trage ich heute noch die trendy 12cm-Buffelos“ gut tat, auszupacken und endlich mal jemanden zu erzählen, wie es im Haar-Milieu wirklich zu geht. Bevor sie aber auf den Punkt kam, erzählte sie mir von der regelrechten Ausnutzung der Friseuse, wöchentlich mehr als 60 Stunden Arbeit und davon, dass sie einen gewissen Prozentsatz ihres Sparschweingewinnes, den sie an ihre Chefin abführen musste. Sie war gar nicht mehr zu bremsen.
Ich fühlte mich Domian nachts um halb zwei und ging der Sache mit den zu langen Haaren auf den Grund: „Eigentlich ist es ganz einfach“, erklärte sie, „Ein Friseur hält sich in den heutigen Tagen nur dann, wenn er die männlichen Kunden verarscht. Ein Haar wächst pro Monat einen guten Zentimeter. Früher wurde ordentlich abgeschnitten, ganz nach dem Motto „Darfs ein bisschen mehr sein“. Heute ist dies anders. Bei dem Kampf um jeden Millimeter wird möglichst wenig abgeschnitten, so dass der Besucher des Establishment schnell wiederkommt und wieder einen 10er hinlegt. So einfach ist das.“ Ja, so einfach ist das, wobei unverschämt ist es doch schon, oder?
Achso: Über den EINEN Euro für ein Tröpfchen Gel, wollte ich die aufgelöste Frau, dann aber nicht mehr ausfragen. Was macht man nicht alles um gut auszusehen...
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1 Kommentar:
Lange Haare haben doch ihre Vorteile... :D
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