Was man besser zwischen 12 und 17 Uhr nicht machen sollte
Das Phänomen von wegen „Nein, ich würde doch niemals die Bild-Zeitung lesen.“, dann aber jeden Morgen der erste sein, der sich am Kiosk um die Ecke die Blättersammlung, denn Zeitung kann man diesen Bilder- und Falschinformationswust ja nicht nennen, mitnimmt und dann gemütlich in den ersten 2 Arbeitsstunden mit seinen Kollegen durchspricht, gibt es ja in praktisch allen Bereichen des Lebens.
Niemand würde zu McDonalds gehen und sich diese schrecklichen lebensmittelähnlichen Stoffe einführen, niemand würde jemals eine Platte von den, naja nennen wir sie mal Jungs von Tokio Hotel anhören und auch niemand würde sich diese „Wir spielen mal eine Runde Gericht nach“-Shows, die nachmittags über den Fernseher flimmern, anschauen. Dennoch aber – Achtung: Ich übertreibe jetzt ein bisschen - weiß jeder wie teuer der Big Mäc ist und was für Farben die Strohhalme bei McDonalds haben, jeder kann mindestens drei der Kompositionen der Produzenten und Autoren von Tokio Hotel mitsingen und ebenfalls jeder kennt die Fälle, die am Mittag bei den Saleschs und Holds unserer Fernsehlandschaft gelöst werden und genau mit diesen bzw. vielmehr mit den Gerichtsshows im Allgemeinen möchte ich mich in den nächsten Zeilen beschäftigen.
Auch ich muss zugeben, dass ich, wenn ich gegen 3 Uhr zu Hause ankomme und ich dann auf der Suche nach einer netten Geräuschtapete bin und den Fernseher einschalte, beim Urteilefällen hin und wieder hängen bleibe und dann einer der etwa 3 Millionen Zuschauer dieser RTL- und Sat1-Produktionen bin. Aber wer sind die anderen 2.999.999 die sich täglich von schlechten Schauspielern, noch schlechtere Drehbücher vorspielen lassen? Und noch viel wichtiger: Was ist der Reiz an der ganzen Geschichte?
Um in meiner Familie zu bleiben, nenne ich als erstes Mal an dieser Stelle meine Oma: Sie schwört Stein und Bein, dass diese Pseudoschauspieler echt sind und wundert sich regelmäßig, dass sie von den Fällen in der Presse noch nie was gehört hat, aber warum auch? Sie sieht ja im TV wies ausgeht und hat daher schon längst ihre Zeitung abbestellt. Gut, dann wären es noch 2.999.998 Menschen.
Einer weiterer der Zuschauer ist mein Nachbar Max. Er ist 22, hat mit der Welt abgeschlossen und verflucht alles und jeden und nachdem Aufstehen um 12 Uhr mittags tut ihm eine dieser Shows einfach nur gut, denn bei denen kann er so gut entspannen und von der letzten durchgezechten Nacht wieder runterkommen.
Eine weitere Person, können wir dann von der Liste streichen: Noch 2.999.997 und langsam merke ich, dass es wohl den Rahmen sprengen wird, wenn ich wirklich hier jeden einzelnen aufzählen würde! Wobei? Das wäre auch mal ein Projekt. Aber egal! Wenn man weiterschaut sieht man, dass neben den erwähnten älteren Semestern, die genauso wie auch die Zuschauer aus dem Kreis der Arbeitslosen, mit der Welt schon abgeschlossen haben und die auch keine weitere Gerichtsshow noch mehr verderben kann, mindestens aber auch genauso viele Jugendliche Tag für Tag sich diese Shows reinpfeifen und genießen.
Von ihren Eltern vergessen und getreu nach dem Motto „Für die Schule kann ich auch mal in 10 Jahren bei meinen Besuch der Abendschule lernen, wenn ich gepeilt habe, dass meine Jugend ein Fehler war, aber ich lebe jetzt und will jetzt verdummen.“ erleben sie Tag für Tag die Gerichtsshows unserer Fernsehmacher.
Eine gute Talkshow passt nicht in das Lebenskonzept dieser Jugendlichen und auch die Doku auf N24 ist ihnen zu hoch und deswegen schauen sie sich das an, wo sie sich am besten auskennen: Die Gerichtsshows, in denen es um die Hure von nebenan und den Sozialhilfeempfänger geht, der gemordet hat.
Waren es in den ersten Monaten dieser Sendungen noch realistische Fälle, die bei der roten Salesch gelöst wurden, geht es heute nur noch um das eben Erwähnte und ich wette mit euch: Da die Produktionskosten so niedrig sind und der Erfolg auch nach vielen Monten und Jahren nicht ausbleibt, wird es noch lange mit diesen Gerichtshows weitergehen.
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