Von denen, die auszogen um Stars zu werden
Wir kennen doch alle die immergleichen, gefühlten 3, 4 Lieder, die auf den "Schmeißen Sie doch bitte Ihr Geld bei unserer 0137-Nummer raus und nuscheln sie in den Hörer etwas, was hinter unserem spooky Geräusch stecken könnte. Wir hören den Anrufbeantworter aber eh nicht ab, sondern faken den Gewinner."-9live-Verschnitt-Dudelfunkradios hoch und runter gespielt werden, so gut wie auswendig. Nicht weil sie so genial wären, sondern weil irgendein Programmdirektor eines Radios mal gesagt haben muss, dass es sexy ist die Songs solange durchzunudeln, bis selbst der hartgesottenste Pop-Musik-Liebhaber entnervt das Radio ausschaltet und sich einen iPod kauft.
Eines dieser Lieder, die täglich an die 20 Mal über den Äther dudelt ist "Next best Superstar" von Melanie C. Die Frau, die sich wohl keinen Nachnamen leisten wollte, konnte oder was auch immer und sich daher auf ein C beschränkte, war vor ein paar Jahren in der gecasteten Power-Pop-Girlgroup "Spice Girls" und singt mit diesem Song schon seit einigen Monaten gegen die Musikwelt an. Wenn auch sie mir grundunsympathisch wegen ihrer Vergangenheit ist und ich mir sicher bin, dass sie in ihrer Gewürzzeit bestimmt niemals getraut hätte, gegen irgendetwas, was zu sagen, muss man bei den hiesigen Radiowellen immer wieder durch ihren Song durch und eins muss man ihr lassen: Die Texter von diesem Werk, hatten an dem Tag an dem sie diese Lyrics geschrieben hatten, wohl keinen so schlechten, denn das was Frau C singt, ist gar nicht so doof.
Es geht um die Musikbranche: Die Seele verkaufen, ausgenutzt werden und nach dem kurzem Ruhm auf die Fresse fliegen. Irgendwie hat sie schon recht.
Aber mal von vorne: Widmen wir uns mal dem Thema Castingshows! Ich finde, dass solche Sendungen im TV von der Idee her gar nicht so schlecht, wie immer und überall gesagt wird. Man bekommt die Möglichkeit sich einer breiten Masse vorzustellen, eine Jury bewertet den Gesang und der Gewinner bekommt einen Vertrag und kann ohne Umwege Platten verkaufen und erhält durch seine Castingshowpräsenz einen gesunden Popularitätsschub, denn die Zuschauer haben schließlich ihn zum Star gewählt, weil sie ihn gut finden. In der Theorie klingt so etwas eigentlich ganz gut, wenn man dann aber mal genauer hinschaut, sieht man, dass die Praxis wie so oft im Leben eine ganz andere ist.
Kennen wir noch einen der Gewinner dieser Shows? Nein! Vermissen wir sie aber wenigstens? Auch diese Antwort ist ein eindeutiges nein, was die kommerziellen Flops von schon der 2. Single beweisen und ich kann mir auch denken wieso: Waren die Künstler an dem Tag an dem sie das erste Mal vor der Jury vorgesungen haben, noch individuelle Typen, die eigene Ideen und Kreativität hatten, hat sich dies ziemlich schnell geändert. Nach und nach wurde kamen die Bosse von unseren RTLs und ProSiebens und gaben den Alexandern dieser Welt zwei Möglichkeiten: Entweder sie tanzen nach ihrer Pfeife und singen so energiegeladene, schnelle und einzigartige Titel wie "Take me tonight" oder sie fliegen. Und weg war die Individualität und gegen Ende der Show klangen alle gleich. Weichgespülter Pop, der allen und niemandem gefällt, kam jedes Mal heraus und so wird es auch die nächsten Male bestimmt sein, wenn wir wieder den mega-supa-duba Superstar kühren werden, denn den Fernsehsendern ist es ja egal, ob der Künstler Erfolg hat oder nicht, denn es geht nur um die Quoten der Show und sonst weiter nichts und die sind dann hoch, wenn es Tränen, und Zusammenbrüche der Teilnehmer gibt, gepaart mit laut schreienden Jurymitglieder, die gegen alle und jemanden etwas haben. Da ist die Musik gar nicht so wichtig. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden geradezu verheizt und ausgenutzt und ihnen wird vorgegaukelt, dass sie das für ihren Traum tun müssen, aber kommen sie damit einer erfolgreichen Musikerkarrie auf Dauer näher? Schon wärs...
Aber während die ganze Welt von Web 2.0 redet und sich dort in wildesten Theorien verrennt, ist im Musikbiz Verheizen 2.0 angesagt. Was vor eins, zwei Jahren noch mit den Castingsstars so wunderbargeklappt hat, macht man heute mit Hotels, Pilzen und Feen. Da haben ja die vier Magdeburger vor ein paar Monaten den deutschen Musikmarkt erobert, wobei diese Eroberung keinesfalls für meine Ohren positiv war, aber daran wollen wir uns gar nicht aufhalten. Jugendliche, in denen die Plattenbosse ein ähnliches Potenzial gesehen hatten, gab es in den nächsten Monaten zu Hauf auf den Deutschen Fernsehern in den ach so tollen Klingelton- pardon Musikabspielkanälen zu sehen.
Wie (Killer-)Pilze schossen andere Bands aus dem Boden, die einerseits die selbe Zielgruppe bedienen und anderseits genauso waren wie unsere Namens-Japaner, doch gehalten haben sich bis auf 2 oder 3 Ausnahmen keine, aber versprochen wurde den jungen Musikern allerhand. Sie wurden von ihren Managern hochgelobt und nachdem es kommerziell nichts zu reißen gab, wurden sie wieder abgeschoben und der nächste ihrer Art wurde ausprobiert, denn bei solchen Jugendlichen ist eine solche Wegwurfmentalität wirklich kein Problem, denn es will ja jeder ein Star werden und wenn es nichts wird, dann halt drauf geschissen.
Traurig aber war, aber was will man erwarten in einer Welt, in der Musik fast nur noch aus Handys junger Ausländer in Zügen und Bussen zu hören ist und selbst Musiksender lieber etwas anderes zeigen.
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