Samstag, 24. März 2007

Früher hätte es das nicht gegeben

Mal eine Runde Einkaufen
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Ein bisschen Milch, eine Packung Salami und etwas Süßes. Mein Einkaufszettel ist fertig, ich verlasse das Haus und schwinge mich auf mein Rad und fahre so schnell es geht durch die traurig, graue Landschaft auf die Schnee, Regen und Schneeregen in allen möglichen Varianten einprasselt. Jetzt Ende März ist das zwar etwas verspätet, aber wie lautet doch eine Sprichwort: Lieber spät, als nie.

Aber auch wenn ich jetzt wie Oma Grete klinge, muss ich es einfach sagen: Früher gab es doch im Winter den Winter und im Frühling den Frühling und das ganze wurde von Gott und seinem Helferlein Ozoni-Löchilein, das immer größer und bekannter wird, nicht irgendwie beliebig kombiniert, aber egal. Die Zeiten ändern sich und das ist ja auch gut so, denn wir würden uns ja heute auch alle bedanken, wenn die Welt immer noch schwarz/weiß wäre, wie man ja auf den alten Fotos sieht! War doch so, oder?

Ich fuhr also in Richtung „Wir sind jetzt alle ein Laden und zwar einer mit einem Logo für das unser 1-Euro-Jobber, sogar noch seinen Lohn gekürzt bekommen hat, weil es so langweilig war“-Shop. Dort angekommen traf ich erst mal beim Einkaufswagen-Holen eben erwähnte Oma Grete und ihre alte Schulfreundin Britta. Dem Gespräch, oder viel mehr die fast wortlosen Kommunikation "Ah!", "Na?", "Und?", "Ja ja, Einkaufen.", "Hmm.", "Ja, was soll man machen. Zu Hause braucht man ja was!", "Hmm.", "Hmmm…", merkte man förmlich an, dass die beiden schon alles gesagt haben und nur noch für Jörg, Günter und Oliver leben und damit sind ihre vor 10 Jahren verstorbenen Ehemänner bestimmt nicht gemeint.

Im Laden angekommen, hatte ich dann mein Gefühl, dass ich sonst nur in den Bussen und Bahnen dieser Welt habe: Überall sind Gesprächsfetzen zu hören, die zusammengefasst ein Abbild der heutigen Gesellschaft ergeben.

Denn „Ich bin ein Proll, hol mich hier raus“-Daddy Phillip, der perfekt in die Talkshow „Früher war ich ein Asso, heute bin ich ein Nazi“ passen würde, war auch da und sprach mit seiner kleinen Prinzessin Sandy, deren Vater er bestimmt nicht ist, sondern Freundin Mandy mit in die – hmm, nennen wir es mal - Beziehung gebracht hatte. Als sie etwas im Regel anfasst, schrie er in ihre Richtung: "Ey, bloß nimm deine Wichsgriffel da weg!", "Wieso?", "Weil, wenn du noch mal da reinfasst, klatsch ich dich an die Wand!“.

Ich kaufte also meine paar Sachen ein und an der Kasse angekommen, erlebte ich das nächste Gespräch zwischen einem Studentenpaar: "Wieso hast Du denn Maultaschen eingepackt?", "Die magst Du doch so gerne.", "Nee, die schmecken mir überhaupt nicht!", „Doch, die isst du!"! Dann mal guten Hunger von dieser Stelle!

Nachdem Oma Grete alles dann auch auf den Cent passend hatte und sich so darüber freute, dass sie nach Jahren mal wieder von allen für 5 Minuten angeschaut wurde, verließ sie den Laden und ich bezahlte meine 4,54€ und dachte darüber nach, warum wir Deutschen alles wirklich so genau haben müssen. In anderen Ländern fällt doch auch die letzte Kommastelle der Einfachheit weg. Cent-Fuchser halt!

Wieder aus dem Laden raus, beim Heimfahren wurde ich noch – nachdenklich und in Gedanken versunken wie ich war - von einem singenden Rollstuhlfahrer, der "Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen...“ zum Besten gab, überholt, um dann daheim festzustellen, dass ich eigentlich doch wieder alles Wichtige vergessen hatte.

Warum ist die Welt doch nur so ungerecht? Früher war DOCH alles besser.

(Von dieser Stelle ein Dank an die Webseite belauscht.de, die mich für diesen Beitrag inspiriert hat.)

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1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hey sebastian!

wundervoller beitrag! sind gerade darauf gestossen und haben uns sehr amüsiert!

liebe gruesse!

krischan, nico und felix
belauscht.de