Die Preisverleihung im Detail
Nachdem ich letztes Jahr in einer Nacht- und Nebelaktion ohne Karte, mit ein bisschen Geld und sonst nichts in der Nacht vor den Echos aus Mainz nach Berlin aufgebrochen bin, wurde ich in der Landeshauptstadt mit einer wirklich wunderbaren Show belohnt, deren Ticket ich mir kurz vorher für den 3-fachen Preis vom „Wudd du Tigget kaufen, ich hab für meine ganze Famili gekauf, aba die is krank“-Männlein, welcher höchstwahrscheinlich aus der Türkei kommt und ganz sicher nicht legal an die Eintrittskarten gekommen ist, geholt habe.
Ich sah wirklich geniale Performances und hatte mit den Fans von „Sorry, meine Haare sind explodiert und Ledermäntel sind doch geil, aber das trägt man jetzt so“-Tokio Hotel und ein paar mir Gleichgesinnten viel Spaß bei einer echt genialen Show, die von vorne bis hinten gut durchgeplant war.
Dieses Jahr war ich nicht in der Stimmung für eine flotte Berlin-Nummer und entschied mich lieber stattdessen den Fernseher heute einfach mal anzuschalten. Was ich zu sehen bekam, machte mich richtig froh über meine Entscheidung daheim geblieben zu sein, denn die Show war eher ein Blick in die Zukunft und zwar der wie „Das Sommerfest der Volksmusik“ im Jahre 2047 aussehen wird.
Ein paar Längstvergessene gaben gesanglich extrem schlechte Auftritte von sich und ließen dazu eine runde ihren „Ich hab’n Arsch, der platzt wenn du reinstichst“-Hintern wackeln. Dazwischen hyperventilierte eine zum Frosch – Man, so viel hässliches Grün habe ich schon ewig nicht mehr gesehen! - verwandelte Fee herum und als man dies hinter sich gebracht und den 10. Witz gehört hatte, der deswegen nicht zündete, weil Tantchen „Singen kann ich, aber zum Sprechen hat es bei mir noch nicht gereicht, weil die Ärzte, bei denen ich mich gleich mal im ersten Satz der Show bedankt habe, das noch nicht repariert haben“-Yvonnchen mal wieder die Pointe zu früh erzählte oder wahlweise auch ganz vergessen hatte, wurde dann eine wirklich herausragend gute Rede von Bono von U2 mit einem Rap von Bushido gekrönt, der anschließend wiederum von der Kategorie „Rock Alternativ“ abgelöst wurde. Klingt zwar auf den ersten Blick wie das, was man beim Durchblättern der Bravo erlebt, aber passen tut es dennoch für die Ohren der Mehrheit – und da klammere ich mal die „Ich bin ’ne bitchy“-Punk-HipHop-Chuck-Trägerinnen einfach mal aus – nicht gut.
Etwas strange war also die ganze Veranstaltung schon. Zwischen weiteren Moderationspatzern von Oliver Silbereisen, äh pardon, Geißen und einigen Preisträgern, die wegen anscheinend schlechter Planung im Vorhinein über Kabel stolperten und durchs Bild fielen, watschelten noch ein paar weniger bekannte Laudatoren auf der Bühne herum und übten sich im Witze reißen.
Achso, was ich noch sagen wollte: Wenn du 2 Jungs, die nicht älter sind als die Mädels, die unten an der Bühne stehen und anscheinend noch nie etwas anmoderiert haben, einfach mal so ohne Hintergrund und Erklärung die Botschaft „Alkohol ist doof“ verbreiten lässt, dann ist doch klar, dass das ganze eine Lachnummer wird, oder?
Ich mach mir jetzt ein Bierchen auf und leg mich dann bald in mein Bett.
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