Montag, 2. April 2007

Nichts als die Wahrheit!

„Du wirst mal ein ganz Großer“
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Heute will ich euch die Geschichte von einem Jungen erzählen, der eigentlich mit seinen 13 Jahren nur Musik machen möchte. Wobei möchte wohl dafür nicht der richtige Ausdruck ist: Seine Eltern sehen in ihren kleinen Jungen den nächsten Star, der die anderen Kinder ablösen wird, die auf den Bravos und YAMs dieser Welt abgelichtet werden.

Immer wieder regen sie sich auf, wenn er schon wieder bei diesem Posing für den Quelle-Kinderkatalog und bei jenem Auftritt in der Musikschule gepatzt hat. Dennoch ist er ihr einziges Kind und aus dem muss mal was werden, denn ihm soll es später mal besser gehen als ihnen, die es nur ins Sekretariat der Schule und zum Verkäufer im Media Markt um die Ecke geschafft haben.

Eingeschüchtert, einsam und unselbstständig kommt er daher und ganz tief in seinem Inneren will er sich endlich nur mal ausruhen, aber heute ist ja mal wieder das große Casting der Firma „Wir bringen dich raus, nur wie, das wissen wir selbst noch nicht, aber von der Teilnahmegebühr, die jeder der herkommt bezahlen muss, machen wir uns ein paar schöne Tage“.

Auch wenn er eigentlich ganz andere Pläne hat, erzählt er auch heute wieder die Story von wegen „Schon als kleiner Junge habe ich den Gartenschlauch als Mirko genommen und rein gesungen“, mit der er seine Eltern glücklich macht, und schmettert danach eine Runde „Noding Äls Mädders“, dass er daheim mit seinem Vater bis zum Er- und Niederbrechen in Lautschrift geübt hat, denn Englisch kann er noch nicht richtig, aber das ist ja auch egal, denn dann wirkt ja alles noch viel süßer und das wollen ja die Castingleiter.

Als ein paar Wochen später seine Eltern ihn nach der Schule wie den zukünftigen Weltstar empfangen, fragt er sie nur was los ist und ist eigentlich nicht wirklich darüber erfreut, dass beim letzten Casting eine Agentin von einer Plattenfirma da war und die meint, dass er unbedingt einen Song über ein Karnickel singen muss, dass in den letzten Wochen in allen Zeitungen stattfindet, weil es beinahe aus dem Streichelzoo ausgebüchst wäre, als der Wärter rein kam.

Komische Welt, aber Kinder und Tiere ziehen ja immer und das Fußballtraining auf das er eigentlich viel mehr Lust hätte, wird abgesagt und wenig später trällert er schon „Ha, Ha, Haaaasi, der super, super Haaasi Fritz, ja, ja, jaaah, der wär’ beinahe entwischt“. Seine Eltern freuen sich riesig, doch er kann nur über so was müde lächeln und findet eigentlich alles zum Kotzen.

Hasen sind doof, Eltern sind doof und jetzt auch noch die super Klingelton-Chartshow auf MTViva, in der er auftreten darf. Auf der Bühne reist er sich dann noch mal zusammen und haut ein nettes Playback raus und zeigt damit allen Eltern, die so ähnlich denken wie seine, dass auch ihre Kinder Stars werden könnten, wenn sie nur wollen, um dann hinter der Bühne später Bill zu treffen.

Bill erging es ähnlich und dieser ist mit seinen 17 Jahren eigentlich von der Welt genauso angekotzt wie er, nur bei Bill ist alles noch viel größer. Zwar hat dieser keine Hasen, die er besingen muss, dennoch aber ist er die Maschine seiner Bosse und hat keine eigenen Möglichkeiten mehr sich zu entfalten. Alle Mädels stehen auf ihn, bzw. viel mehr auf das Produkt was mit ihm vermarktet wird.

Bill selbst hat eigentlich mit seinem Marketing-Doppelgänger nichts mehr zu tun und hält sich nur noch durch Dinge am Leben, von denen zwar seine Bosse bescheit wissen, aber nicht dagegen sagen, solange es die Fans nicht mitbekommen und wenn dies der Fall wäre, wäre dies auch nicht die Welt, denn es gibt ja ihn, das Hasen-Kind mit dem man nach Bill den nächsten Star anzüchten kann.

Als Bill ihm später ein paar nicht so ganz legalen Drops anbietet, kann er nicht nein sagen und merkt, dass es mit denen eigentlich viel besser geht, denn dann kann er mal endlich wieder für ein paar Minuten wirklich er sein – zumindest glaubt er das.

Mal schauen was aus den beiden noch wird und mal sehen, wann sie abstürzen, wie ein jeder Kinderstar! Oder, Miss „Haare ab, Gehirn raus und rein in die Entzugsklinik“?

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1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Die Ergebnisse solcher hochgetunten Kinder sieht man dann ja auch nurmal allzugerne wieder in Media Märkten singen und Autogramme schreiben, so sie das denn schon können. Ich frage mich, warum nur so viele Leute immer auf solche artifiziellen und völlig zu Unrecht gehypten Sternchen stehen und ihr Geld so schnell wie möglich in Richtung Handel und Produktion schmeißen wollen.