Donnerstag, 12. April 2007

Zugfahren ist nicht einfach

oder: "Ein ganz normaler Morgen"

Da fahre ich auch heute Morgen mal wieder mit der Bahn in Richtung meiner Arbeitsstätte. Es scheint, dass der heutige Tag nicht meiner zu sein scheint: Erst gibt der Busfahrer schön genüsslich in dem Moment Gas, in dem ich das Quader auf Rädern erreiche und auch später bei der Abteilwahl im Zug hatte ich Pech und lasse mich auf den Sitz fallen, neben dem der Stadt bekannte Säufer wenige Sekunden Platz nimmt.

Er hat sein Leben zu einer Zeit versaut in der es keine Flatrate-Partys gab und die, die heute gegen Alkohol und Dinge aller Art wettern, selbst noch Konsumenten diverser Drogen – ob legal oder illegal, sei mal dahingestellt – waren.

Während ich mich auf das was jetzt kommen mag vorbereite, sehe ich noch ein paar Mal Knut, wie er mich von diversen Zeitungen anschaut und dann ist es soweit: Das Guten-Morgen-Bier wird ausgepackt und angesetzt. Nicht von mir, sondern einen Sitz weiter, dennoch aber freue ich mich schon jetzt auf das Gesinge und Gegröle, das alltäglich nicht lange auf sich warten lässt.

Ein Szenario, dass glaubt man denen, die vor ein paar Wochen noch gegen Killerspiele gepredigt haben und jetzt dem nächsten Ding einen Riegel vorschieben möchten, es eigentlich gar nicht geben kann. Wie kann jemand mittleren Alters nur Saufen. So was machen doch nur die Jugendlichen auf ihren Flatrate-Partys und die gehören verboten. So kann man eh am besten sich gegen Sachen einsetzten: Einfach verbieten! Das ist Deutschland.

Aber zurück in den Zug. Wie ich schon erwähnte war heute wahrlich nicht mein Glückstag. Plötzlich stieg Qualm über den Sitzen auf. Was erst mal als Feuer das halbe Abteil zur Unruhe gebracht hatte, stellte sich wenig später als Zigarette heraus. Da dieser aber über ein Person aufstieg, die im Nichtraucherabteil und nicht eine Reihe weiter hinten, in dem durch eine 90 cm – Hohe Glaswand abgetrenntem Raucherabteil, saß, fing plötzlich der ganze Zug an zu johlen und meckern.

Man, man, man: Manchmal wünsche ich mir doch eine „Raucherarmbinde“ (http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=120105235713) mit der sich jeder Raucher kenntlich machen muss, denn dann wissen wir Menschen sofort wer die Buhmänner und –frauen unser Nation sind.

Samstag, 7. April 2007

Debbie Rockt – Himmel Herr Gott, wer hat die den losgelassen?

H&M meets Punk
(Beitrag als Audio anhören? Dann runterscrollen!)

Eigentlich könnte ich statt diesem Beitrag, einfach nur den Pressetext, der zu dieser zukünftigen Geschmacksverirrung der 11 und 12 Jährigen Mädels veröffentlicht worden ist, hier reinkopieren und wir würden aus dem Schmunzeln nicht mehr rauskommen, aber ganz so einfach mache ich es mir dann doch nicht.

Aber mal von ganz von vorne: Heute wollte ich eigentlich nur mir einen gemütlichen Tag machen und mal das tun was die anderen Leute auch immer so machen, wenn sie mal nicht zur Arbeit müssen bzw. von dieser noch nie etwas gehört haben: Sinnlos mit einer Bierflasche in der Hand, lässig auf der Couch liegend ein bisschen RTL 2 und 9live schauen! Aber schon in dem Moment, in dem ich das erste Mal an der Flasche nippte und gleichzeitig den Fernseher einschaltete, kam mir die Flüssigkeit sofort den Weg hoch, den sie schon eben entgegengesetzt schon einmal genommen hatte und verschönerte den Teppich, den ich noch in der Woche vorher in dem Zimmer ausgelegt habe. Shit happes, aber was war passiert?

Ich habe Fie, Tan, Denise, Kathi und Rosa gesehen und wer bei diesen Namen an nichts Schlimmes denkt, der kann froh sein, denn dann hat ihn die neue, „authentische, konsequenete nach vorne, progressive, unique, einzigartige“ Band – um mal den erwähnten Pressetext einzubinden – noch nicht erreicht und seit froh, wenn dies der Fall ist.

Debbie Rockt nennt sich die Band, die die ach so geilen, neuen Punks werden sollen, aber mit diesen Menschen etwa genauso viel zu tun haben, wie die Super Nanny mit Familienpädagogik.

Die Band möchte Punk-Musik machen, klingt aber genauso wie Tokio Hotel, wie mir der in Ausschnitten von Gülcan gezeigte Videoclip näher führte und anschließende Webseitenbesuch untermauerte. In den Songs lernen sich Worten als Reime kennen, die ansonsten noch nicht mal ansatzweise in Reimzeilen als eben solche auftauchen. Singen kann die Frontfrau auch nicht, aber warum auch: Ist ja Punk!

Wobei möchten die überhaupt Punk-Musik (versuchen) zu machen, oder ist es bei denen genauso, wie bei den in dem Blog erwähnten Brücken-Jungs, die bald sich mit den Debbies unter der selbigen verkriechen werden? Ich bezweifle es.

Ich vermute eher, dass ihr Plattenboss gegenüber seinem Fenster seines Büros einen H&M hat und an einem Tag im letzten Herbst, kamen dort gerade diese 5 Mädels heraus mit der Bravo in der linken, ihrer Handtasche in der Rechten und in den aktuellen Trends in Form von Punk-Fakes gekleidet und da die Mädels schon dieses Mal vor der Bravo wissen wollten, wer der nächste Superstar wird, klebten sie ihre Nasen an das Fenster und sahen drinnen außer ihrem zukünftigen Ausbeuter niemanden. Da dieser aber unbedingt jemand neuen brauchte, der zu blöd für das Musikbiz ist und jeder noch so schlechten Vertrag unterschreibt, kamen ihm die 5 Fakes recht und er schusterte aus ihnen die nächsten „Sogar für ein Onehitwonder sind wir zu doof“-Band.

Da noch ein Name gefunden werden musste, gingen die 6 anschließend auf die Straße und wie sie ihn dann dort angeblich fanden, steht dann 1:1 im Pressetext: „Der Name entstand nach einem Stadtbummel der Band, während dem sie auf ein kleines Mädchen trafen, die Gitarre spielend und singend am Wegesrand saß. Neben ihr ein noch kleineres Mädel mit einem Schild um den Hals, auf dem geschrieben stand „Debbie sagt danke“. Es stellte sich heraus, dass sie die kleine Schwester der mit Gitarre und lautem Gesang Performenden war, die versuchte die Beiden nach einem „Reißaus“ über die Runden zu bekommen. Die Band war sofort angetan von der Geschichte und außerdem der Meinung, dass Debbie ganz schön rockt!“

Himmel geht’s noch ihr Marketing-Fakes, die ihr morgen eh schon wieder vergessen seit? Ihr wollt doch jetzt nicht wahrlich das Ausreißen als cool und rockig darstellen. Dass Ihr zu blöd für Punkmusik seid, aber euch so nennt, ist in erster Linie mal euer Problem, aber darüber, dass ihr die Geschmacksverirrten, die warum auch immer euch toll finden, sagt, dass auf der Straße hocken, rocken ist. Himmel? Geht’s euch noch gut?

Anscheinend nicht, aber das ist halt das Musikbiz...

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Donnerstag, 5. April 2007

Die jungen Wilden unter Leuten - Teil 2

Und hier ist schon das zweite Foto aus unserer Serie.

Bild 2:

Montag, 2. April 2007

Nichts als die Wahrheit!

„Du wirst mal ein ganz Großer“
(Beitrag als Audio anhören? Dann runterscrollen!)

Heute will ich euch die Geschichte von einem Jungen erzählen, der eigentlich mit seinen 13 Jahren nur Musik machen möchte. Wobei möchte wohl dafür nicht der richtige Ausdruck ist: Seine Eltern sehen in ihren kleinen Jungen den nächsten Star, der die anderen Kinder ablösen wird, die auf den Bravos und YAMs dieser Welt abgelichtet werden.

Immer wieder regen sie sich auf, wenn er schon wieder bei diesem Posing für den Quelle-Kinderkatalog und bei jenem Auftritt in der Musikschule gepatzt hat. Dennoch ist er ihr einziges Kind und aus dem muss mal was werden, denn ihm soll es später mal besser gehen als ihnen, die es nur ins Sekretariat der Schule und zum Verkäufer im Media Markt um die Ecke geschafft haben.

Eingeschüchtert, einsam und unselbstständig kommt er daher und ganz tief in seinem Inneren will er sich endlich nur mal ausruhen, aber heute ist ja mal wieder das große Casting der Firma „Wir bringen dich raus, nur wie, das wissen wir selbst noch nicht, aber von der Teilnahmegebühr, die jeder der herkommt bezahlen muss, machen wir uns ein paar schöne Tage“.

Auch wenn er eigentlich ganz andere Pläne hat, erzählt er auch heute wieder die Story von wegen „Schon als kleiner Junge habe ich den Gartenschlauch als Mirko genommen und rein gesungen“, mit der er seine Eltern glücklich macht, und schmettert danach eine Runde „Noding Äls Mädders“, dass er daheim mit seinem Vater bis zum Er- und Niederbrechen in Lautschrift geübt hat, denn Englisch kann er noch nicht richtig, aber das ist ja auch egal, denn dann wirkt ja alles noch viel süßer und das wollen ja die Castingleiter.

Als ein paar Wochen später seine Eltern ihn nach der Schule wie den zukünftigen Weltstar empfangen, fragt er sie nur was los ist und ist eigentlich nicht wirklich darüber erfreut, dass beim letzten Casting eine Agentin von einer Plattenfirma da war und die meint, dass er unbedingt einen Song über ein Karnickel singen muss, dass in den letzten Wochen in allen Zeitungen stattfindet, weil es beinahe aus dem Streichelzoo ausgebüchst wäre, als der Wärter rein kam.

Komische Welt, aber Kinder und Tiere ziehen ja immer und das Fußballtraining auf das er eigentlich viel mehr Lust hätte, wird abgesagt und wenig später trällert er schon „Ha, Ha, Haaaasi, der super, super Haaasi Fritz, ja, ja, jaaah, der wär’ beinahe entwischt“. Seine Eltern freuen sich riesig, doch er kann nur über so was müde lächeln und findet eigentlich alles zum Kotzen.

Hasen sind doof, Eltern sind doof und jetzt auch noch die super Klingelton-Chartshow auf MTViva, in der er auftreten darf. Auf der Bühne reist er sich dann noch mal zusammen und haut ein nettes Playback raus und zeigt damit allen Eltern, die so ähnlich denken wie seine, dass auch ihre Kinder Stars werden könnten, wenn sie nur wollen, um dann hinter der Bühne später Bill zu treffen.

Bill erging es ähnlich und dieser ist mit seinen 17 Jahren eigentlich von der Welt genauso angekotzt wie er, nur bei Bill ist alles noch viel größer. Zwar hat dieser keine Hasen, die er besingen muss, dennoch aber ist er die Maschine seiner Bosse und hat keine eigenen Möglichkeiten mehr sich zu entfalten. Alle Mädels stehen auf ihn, bzw. viel mehr auf das Produkt was mit ihm vermarktet wird.

Bill selbst hat eigentlich mit seinem Marketing-Doppelgänger nichts mehr zu tun und hält sich nur noch durch Dinge am Leben, von denen zwar seine Bosse bescheit wissen, aber nicht dagegen sagen, solange es die Fans nicht mitbekommen und wenn dies der Fall wäre, wäre dies auch nicht die Welt, denn es gibt ja ihn, das Hasen-Kind mit dem man nach Bill den nächsten Star anzüchten kann.

Als Bill ihm später ein paar nicht so ganz legalen Drops anbietet, kann er nicht nein sagen und merkt, dass es mit denen eigentlich viel besser geht, denn dann kann er mal endlich wieder für ein paar Minuten wirklich er sein – zumindest glaubt er das.

Mal schauen was aus den beiden noch wird und mal sehen, wann sie abstürzen, wie ein jeder Kinderstar! Oder, Miss „Haare ab, Gehirn raus und rein in die Entzugsklinik“?

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Sonntag, 1. April 2007

Die jungen Wilden unter Leuten - Teil 1

Eine neue Fotoserie gibt es ab heute hier bei den jungen Wilden. Tobias und ich werden uns in nächster Zeit uns unter die Leute mischen, die wir so lieben und mit ihnen Fotos machen.

Bild 1: